Personalwesen 3
Betriebswirtschaftslehre - Personalwesen

1 Bereitstellung von Personal

1.1 Personalplanung und Personalbedarf

Ablauf der Personalbedarfsfeststellung

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->Bruttobedarf: Vom Markt über Produkte über Konkurrenz über Kundenverhalten über Produktplanung (Aufbau, Logistik) zur Personalbedarfsplanung

->Selbst wenn der Bestand dem Bedarf entspricht, kann es zu Abbau und Beschaffung kommen, wenn z.B. die Qualität nicht stimmt und auch nicht erreicht werden kann

 

Personalbedarfsarten

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->Nettobedarf = Ersatzbedarf + Zusatzbedarf = Soll – Ist in Zukunft

->Ersatzbedarf = Istbestand – Abgänge + Zugänge

1.1.2 Qualitativer Personalbedarf

  • Inhalte der Planung:
    • Welche Qualifikationen sind in Zukunft benötigt
    • Wie sieht die aktuelle Qualifikation aus
    • Welche Maßnahmen sind nötig
  • Vorgehen (theoretische Betrachtung, die in der Praxis nicht durchsetzbar ist)
    • Ermittlung der Ist-Qualifikation inkl. der verborgenen Potentiale
    • Ermittlung der absehbaren Änderungen (durch Weiterbildung, Fluktuation)
    • Feststellung des qualitativen Soll
    • Abgleich von Soll und Ist ->Planung von entsprechenden Maßnahmen (Schulungen, Arbeitsplatzwechsel, Freisetzung, Einstellung)

1.1.3 Quantitativer Personalbedarf / Bruttopersonalbedarf

  • Basis ist die Ermittlung einer geeigneten Bezugsgröße, die den folgenden Anforderungen genügt:
    • Großer Einfluß auf den Personalbedarf
    • Quantifizierbarkeit und Prognostizierbarkeit
    • Vorhandene Annahmen über die zukünftige Entwicklung
  • Beispiele: Zahl der Kundenkontakte, Bearbeitungszeit pro Kunde, Vertragsabschlußzahl, Posteingang, Bearbeitungsanfragen
  • Bezugsgrößen werden oft durch Probieren getestet
  • Methoden zur Bedarfsermittlung (mit steigender Genauigkeit der Methode aufgezählt):
    • Schätzungen (interne Befragung oder extern) ->viel in KMU
    • Statistische Verfahren (Regression, Trendextrapolation) ->geht nur bei gleichbleibenden Bedingungen
    • Kennzahlen (Betriebsvergleich, Produktivität, Führungsspanne) ->Benchmarking
    • Organisatorische Verfahren (Fortschreibung von Stellenplänen)
    • Monetäre Verfahren
      • Ausgangspunkt ist nicht der Bedarf, sondern ein Budget und eine Zielvorgabe
      • Nutzung von Substitutionseffekten
      • Wieviel Steigerung brauche ich bei einem Arbeiter mehr?
      • Wie bringe ich das Personal zu 100% Leistung?
      • Sehr ungenau bei der Planung
    • Personalbemessungsmethoden
      • Ermittlung von Arbeitsmenge und Arbeitszeit pro Arbeitsvorgang
      • Anwendung arbeitswissenschaftlicher Methoden
      • Zeitmessung bei den Vorgängen (Refa-Methode) oder Entnahme der Wert aus MTM-Tabellen (Tabellen mit Angaben zur Normalleistung für eine Vielzahl von Tätigkeiten)
      • Geht nur bei gleichbleibenden Aufgaben „je doofer die Arbeit, desto besser ist sie planbar“

 

Beispiel einer Personalbedarfsplanung:

Ausgangsdaten:

Produktionsmenge 200000

Personalbestand (Durchschnitt) 100

Gearbeitete Wochen 46

Stundenzahl pro Woche (Durchschnitt) 40

Gesamtstunden pro Mitarbeiter 1840

Gesamtstunden aller Mitarbeiter 184000

Produktion pro Stunde 1,087

Plandaten:

Produktionsplanung 206000

Produktionssteigerung 5%

Neue Produktivität 1,087*1,05=1,141

Erforderliche Stunden 300000/1,141 = 180543

1.1.3.1.1.1 Arbeitszeitverkürzung auf 38h pro Woche

Gesamtstunden pro Mitarbeiter 1748

Bruttopersonalbedarf 180543 / 1748 = 103,29

 

Personalreservebedarf

Feste jährliche Arbeitszeit:

365 Tage

-52 Samstage

-52 Sonntage

-11 Feiertage

=250 Arbeitstage

Weitere Abwesenheit (z.T. Erfahrungswerte):

Tariflicher Urlaub 30 Tage

Unbezahlter Urlaub 1 Tag

Weiterbildung 5 Tage

Krankheit / Kuren 10 Tage

Freistellung 1 Tag

Sonstiger Urlaub 2 Tage

Weitere Abwesenheit gesamt: 49 Tage = 19,6% von 250 Tagen

->Reservebedarf: 19,6% des Bruttobedarfs

1.1.4 Personalbestandsänderungen

Personalbestandsveränderungen

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  • Wichtig ist, bei Kündigungen die Gründe zu erfahren
  • Bekanntheit der Kündigungsgründe kann Vorsorge möglich machen und schafft eine Planungsgrundlage
  • Wichtig ist auch zu erfassen, welche Abteilungen eine besonders hohe Fluktuation haben und welche Qualifikationen das Unternehmen verlassen
  • Ein wichtiger Grund für Kündigung kann auch Überqualifikation der Mitarbeiter sein ->die Mitarbeiter sind unzufrieden
  • Grundsätzliche sich initiierte Personalbestandsänderungen besser planbar

1.2 Personalbeschaffung

  • Der quantitative und qualitative Bedarf ist bekannt
  • Aufgaben:
    • Welche Aufgaben sind zu besetzen ->Stellen- bzw. Arbeitsplatzbeschreibungen
    • Welche Organisationseinheit / Stelle hat Personalbedarf
  • Anforderungen und Erwartungen an das Personal
    • Anforderungsprofil erstellen
    • Absprache mit den Führungskräften
    • Ziel ist ein realistisches / erreichbares Anforderungsprofil ->ein regelmäßiger Abgleich des gewünschten mit dem möglichen (->Arbeitsmarktsituation) ist nötig

1.2.1 Interne Personalbeschaffung

Interne Personalbeschaffung

Ohne Personalbewegungen

Mit Personalbewegungen

  • Nutzung flexibler Arbeitszeitmodelle
  • Mehrarbeit / Überstunden
  • Verlängerung der Arbeitszeit (nur sehr begrenzt möglich)
  • Urlaubverschiebung (für kurzfr. Ausgleich geeignet)
  • Qualifizierung der Mitarbeiter
  • Versetzung durch Weisung oder Änderungskündigung
  • Innerbetriebliche Stellenausschreibungen
  • Personalentwicklung
  • Funktioniert eigentlich nur als kurzfristiges Instrument, wird jedoch auch mittelfristig eingesetzt
  • Bei längerem Einsatz treten Demotivierung und Qualitätsverluste ein
  • Vorteil ist, dass das Personal und seine Qualität bekannt sind
  • Interne Ausschreibungen werden oft externen vorgeschaltet, z.T. auch auf Verlangen des Betriebsrates
  • Vorteil ist, dass den Mitarbeiter Perspektiven / Aufstiegchancen aufgezeigt werden

1.2.2 Externe Personalbeschaffung

Externe Personalbeschaffung

Passiv

Aktiv

  • Arbeitsverwaltung / Arbeitsamt
  • Eigenbewerbungen
  • Bewerberkartei
  • Personalleasing

->setzt Bekanntheit voraus

  • Stellenanzeigen
  • Internet, Medien
  • College-Recruiting
  • Personalberater
  • Anwerbung durch Mitarbeiter
  • Öffentlichkeitsarbeit

1.2.3 Vergleich interner und externer Personalbeschaffung

 

Intern

Extern

Vorteile

· Aufzeigen von Perspektiven für die Mitarbeiter

· Geringere Kosten

· Betriebskenntnis

· Qualitätskenntnis

· Keine Entgeltverschiebungen, wie bei externen

· Schneller

· Positionen für Nachwuchskräfte werden frei

· Transparente Personalpolitik

· Größere Auswahl

· Neue Impulse

· Direkte und dauerhafte Lösung des Personalbedarfs

· Informationen von der Konkurrenz

Nachteile

· Weniger Auswahl

· Hohe Fortbildungskosten

· Enttäuschung von nicht ausgewählten Mitarbeitern

· Starke kollegiale Bindungen

· „Freundschaftsbeförderung“ für den langjährigen Mitarbeiter

· weniger Kreativität mit der Zeit

· höhere Kosten

· demotivierend für bereits bestehende Mitarbeiter

· Neid durch höheren Lohn des neuen Mitarbeiters

· Schlechte Auswirkung aufs Betriebsklima

· Keine Betriebskenntnisse und Risiko in der Probezeit

->Langfristig ist das Problem nur durch externe Beschaffung zu lösen

 

1.3 Personalauswahl

1.3.1 Verfahren

Bewerbungs-unterlagen

Testverfahren

Vorstellungs-gespräch

Assessment-Center

Biographische Fragebögen

Analyse des Anschreiben

Lebenslaufanalyse

Zeugnisanalyse

Referenzen

Lichtbild

Personalfragebogen

Arbeitsproben

Leistungstests

Intelligenztests

Charakter- / Personönlichkeits-tests

Analyse des Ausdrucks-, Leistungs- & Sozialverhaltens

 

Arbeitsversuch in Laborsituation

Festlegung der Bewertung

Beurteilung durch Führungskräfte

Bestimmung der Auswahlkriterien

Bewerber wählen zwischen Antwortalternativen

Auswertung nach Punkte- oder Empirischen Verfahren

1.3.2 Bewerbung und Bewerbungsgespräch

Aussagefähigkeit einer Bewerbung (Vorschlag!)

Hohe Aussagekräftigkeit

Mittlere Aussagekräftigkeit

Niedrige Aussagekräftigkeit

Berufliche Aussagen

Berufliche Erwartungen

Inhalt des Lebenslaufs

Notentrend in der Ausbildung

Weiterbildungsreferenzen

Arbeitszeugnisse

Arbeitsproben

Form, Inhalt & Struktur des Anschreibens

Form des Lebenslaufs

Schulzeugnisse und Abschluß

Ausbildungsdauer

Personalbogen

Lichtbild

Referenzen

 

Ablauf und Ziele des Bewerbungsgespräches

Abschnitt

Ziel

Begrüßung / Einstieg / Unternehmensinfos

Einfühlen des Bewerbers

Bisheriger Werdegang

Informationen / Redefluß des Bewerbers

Bewerbungsmotiv

Infos über Vorabinformation des Bewerbers

Qualifikation und Wissen

Selbstdarstellung des Könnens

Eventualsituationen

Testen von Reaktionen / Verhalten

Arbeitsbedingungen

Klärung der Konditionen

Abschluß

 

1.3.3 Personalbeschaffung über das Internet

  • Modern und preiswert ->gewinnt an Bedeutung
  • Hauptzielgruppen: Hochschulabsolventen, Führungskräfte
  • Branchen: IT, Multimedia, Dienstleistungen
  • Möglichkeiten der Beschaffung:
    • Firmenhomepage ->setzt hohe Bekanntheit voraus
    • Jobbörsen
      • Allgemein oder vertikal (->nur für bestimmte Branchen / Zielgruppen)
      • Unecht oder echt (->mit Direktbewerbung)
      • Kommerziell / nicht kommerziell
    • Bewerberhomepages
    • Directmailings

 

Vorteile der Personalbeschaffung im Internet für...

Unternehmen

Stellensuchenden

  • Zielgruppenorientierung
  • Bewerbungsqualität
  • Zeitlich flexibel einsetzbar
  • Lange Laufzeit
  • Kommunikation per E-Mail mgl.
  • Erreichbarkeit
  • Kosten-Nutzen-Relation
  • Kostenlos
  • Weltweit abrufbar
  • Vergleichsmöglichkeit
  • Direktbewerbung
  • Einfache Handhabung

1.3.4 Das Assessment Center

  • Komplexes (und teures) Auswahlverfahren ->max. 12 Teilnehmer +4-6 Beobachter + 2 Moderatoren
  • Merkmale:
    • Mehrfachbeurteilung
    • Verhaltensorientierung
    • Methodenvielfalt
    • Anforderungsbezogenheit
  • Bestandteile:
    • Vorstellungsrunde
    • Postkorbübung (Organisation eines Postkorbes in sehr kurzer Zeit)
    • Präsentation / Kurzvortrag
    • Gruppendiskussion
    • Konstruktionsübung
    • Mündliche / Schriftliche Einzelübungen
    • Einzelinterview
    • Feedback-Gespräch
  • Vorteile eines Assessment-Centers:
    • Prüfung der Kandidaten in einer Vielzahl von Situationen
    • Überprüfung der sozialen Kompetenz
    • Ausgleichsmöglichkeit zwischen den Aufgaben
    • Kein rein subjektives Ergebnis
    • Angenehme Atmosphäre

1.4 Personalentwicklung

  • Teilweise Identität der Mitarbeiterziele mit den Unternehmenszielen
  • Problem: Das Unternehmen möchte den Mitarbeiter für eine Stelle qualifizieren, während der Mitarbeiter auch Qualifikationen in anderen Bereichen wünscht
  • Personalentwicklung ist eine Investitionsentscheidung des Unternehmens
  • Bereiche der Personalentwicklung
    • Berufsausbildung
    • Berufsfortbildung
    • (Berufsumschulung)
    • z.T. werden auch Unternehmens- / Bereichsentwicklung, Organisationsentwicklung und Unternehmenskultur mit aufgeführt, da bei Maßnahmen in diesem Bereich oft auch eine Veränderung / Weiterentwicklung der Mitarbeiter nötig ist, z.B. hin zu mehr Kundenorientierung

 

Ziele des Unternehmens und des Mitarbeiters bei der Personalentwicklung

Unternehmen

Mitarbeiter

  • Wettbewerbsfähigkeit steigern
  • Ausnutzung von Potentialen
  • Unabhängigkeit vom Arbeitsmarkt
  • Zufriedenheit / Motivation
  • Senkung von Fehlzeiten / Fluktuation
  • Nutzung der Leistungspotentiale
  • Karriere
  • Einkommensverbesserung
  • Fachlich höhere Kompetenz
  • Soziale Fähigkeiten

 

Aufgaben der Personalentwicklung

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Instrumente zur Ermittlung des Personalentwicklungsbedarfs:

  • Erfolgsfaktorenanalyse
  • Aufgaben- und Prozessanalyse
  • Mitarbeiterbefragung
  • Assessment Center / Testverfahren
  • Beobachtung am Arbeitsplatz,...

 

Methoden der Personalentwicklung

On the Job

Off the Job

Weitere

· Unterweisung

· Anleitung durch Vorgesetzten

· Job rotation

· Übertragung von Verantwortung / Sonderaufgaben

· Multiple Management

· Trainee Programme

· Einführungsprogramme

· Programmierte Unterweisung

· Vorlesung

· Konferenz

· Rollen- / Planspiele

· Gruppenarbeiten

· Assessment Center

· Bildungsurlaub

· Fernunterricht

· Near the Job ->Mitarbeiter eines Bereiches bilden sich gemeinsam weiter ->Lehrwerkstatt ->sehr nahe am Job

· Into the Job ->Einarbeitungs- / Einfühlungsseminare

· Out of the Job ->Vorbereitung für den Ruhestand oder Hilfe bei der Suche nach einem neuen Job

1.4.1 Die betriebliche Ausbildung

  • Grundlage ist das Berufsbildungsgesetz
  • Duales System durch Betriebs- und Schulausbildung
  • Ausbilder dient dem Azubi als Berater
  • Ziel ist die Erarbeitung von Schlüsselqualifikationen
  • 4-Stufen-Methode zum Erlernen von Fähigkeiten
    • Vorbereitung
    • Vormachen
    • Nachmachen
    • Selbstständiges Arbeiten
  • Alternativ kann man Azubis auch nach dem Trial & Error – Prinzip arbeiten lassen ->Aus Fehlern lernt man

 

Vor- und Nachteile verschiedener Lernmethoden im Betrieb

Individuelles Lernen

Kollektives Lernen

  • Berücksichtigung von Stärken und Schwächen
  • Persönliche Betreuung
  • Bessere Lenkung des Azubis
  • Zeitintensiv
  • Hohe Anforderungen an den Ausbilder
  • Anreiz für den Ausbilder nötig
  • Kontrolle der Leistung des Ausbilders
  • Schnellere Lösungsfindung
  • Neue Ideenschöpfung
  • Kooperation und soziales Verhalten werden gestärkt
  • Effektive Wissensvermittlung
  • Kostenersparnis
  • Durchschnittsbetrachtung, d.h. keine Förderung des Einzelnen

1.4.2 E-Learning in der Personalentwicklung

  • Man unterscheidet CBT (Computer Based Training) und WBT (Web Based Training)
  • Zeitnahe Vermittlung von Informationen möglich
  • Hohe Wirtschaftlichkeit
  • Multimedianutzung (Ton, Video, Animationen)
  • Wichtige Aspekte bei der Entwicklung:
    • Zielgruppe
    • Lernertyp (autodidakt)
    • Lernziel ->ist es überhaupt realisierbar
    • Fachleute müssen bei der Entwicklung helfen

 

Vorteile

Nachteile

  • Kostenersparnis
  • Zeitliche Flexibilität
  • Kann vielen Mitarbeitern zugänglich gemacht werden
  • Wiederholungsmöglichkeit
  • Individueller, da man nur bestimmte Module wählen muß
  • Durch Teletutoren oder Foren für Probleme auch bei Problemen geeignet
  • Ortsunabhängigkeit
  • Schnelle Aktualisierung möglich
  • Sehr komprimierte Wissensvermittlung ->nur wenig bleibt hängen
  • Z.T. keine Rückfragen möglich
  • Wenig soziale Integration ->Distanz zum PC
  • Wenig Motivation / Forderungsanreiz
  • Keine Kontrollmöglichkeit für erreichte Leistung, da z.T. Manipulationsmöglichkeiten
  • Wenn es neben der Arbeit läuft, ist keine durchgängige Bearbeitung mgl.