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Geldwesen 6 Drucken
Volkswirtschaftslehre - Geldwesen

1 Grundlagen und Instrumente der Geldpolitik

1.1 Dimensionen der Geldpolitik

  • Ziel: Preisniveaustabilität und wenn diese gewährleistet ist, auch alle anderen wirtschaftspolitischen Ziele
  • Träger der Politik: EZB und nationale Notenbanken
  • Mittel und Instrumente der Geldpolitik:
    • Diskontsatz: Zins zum Ankauf von Wechseln vor Fälligkeit
      ->Wird von der EZB und den NZB’s nicht gemacht
    • Lombardsatz: Zins für Kredite der Notenbank gegen Wertpapierhinterlegung
      ->Wird von der EZB und den NZB’s nicht gemacht
    • Offenmarktpolitik: Zinssatz für Kredite bei der Notenbank
    • Mindestreservepolitik:
      • Mindesteinlagen der Banken bei den Notenbanken
      • Werden gering verzinst
      • Sind Wettbewerbsnachteil und ein Eingriff in die Marktwirtschaft
      • Aber: wirksamstes Mittel zur Geldmengensteuerung und funktioniert immer
    • Ständige Fazilitäten:
      • Über-Nacht-Geld ->Kurzkredit
      • Über-Nacht-Einlagen ->Kurzfr., niedrigverzinste Einlage
      • Einlagenzins < Leitzins (Offenmarktzins) < Spitzenrefinanzierungssatz (Übernachtgeld)
  • Problem: die Preisniveaustabilität als Finalziel, d.h. P, kann nicht direkt gesteuert werden
  • ->Zwischenziel: Geldmengenstabilität
    • Beeinflussung von i und M
    • Erfolgsmessung an der Geldmenge M3
    • Indikator zur Evaluation des Zwischenziels: Soll-Ist-Vergleich von M3

1.2 Transmissionstheorie

->Übertragung eines Zentralbankimpulses auf die Wirtschaft

 

Ansätze der Transmissionstheorie

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1.2.1 Kredittheoretischer Transmissionsansatz

Kredittheoretischer Transmissionsansatz

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Die Störfaktoren:

  • Fixe Wechselkurse
    • Werden von der Wirtschaftspolitik bestimmt und müssen dann durch die Notenbank umgesetzt werden
    • Sind mittlerweile relativ selten in den Industriestaaten
    • Der Devisenkurs bestimmt so aber auch die Geldpolitik unabhängig von wirtschaftlichen Zielen
    • Beispiel:
      • Ein schwacher Fremdwährungskurs führt bei fixen Wechselkursen dazu, dass die EZB die Fremdwährung ankauft (der Kurs der Fremdwährung steigt) und dafür Euro gibt (Euro-Kurs fällt).
      • Durch die Ausgabe der Euros erhöht sie die Geldmenge.
      • Ist nun durch diese Geldmengenerhöhung das Geldmengenziel für das Inland bereits überschritten, wird die EZB im Inland die Geldmenge wieder senken und somit einen Aufschwung wieder bremsen
  • Mitwirkung der Geschäftsbanken
    • Sie dürfen die FLR’s nicht parken, sondern müssen sie als Kreditangebot weitergeben
    • Gefahr der Preisabsprache zwischen den Großbanken, so dass die Zinsen erst deutlich später gesenkt werden und somit zwischen EZB-Aktion und Wirkung ein längerer Zeitraum entsteht
  • Ausland
    • Bei niedrigeren Zinsen als im Ausland könnten Investoren, die im Ausland investieren wollen, sich die Kredite hier holen, da sie hier billiger sind
    • D.h. es können zwar Investitionseffekte erzielt werden, jedoch nicht in der gewünschten Region
  • Investitionsfalle ->niedriger Zins führt aufgrund sehr schlechter Renditeerwartungen nicht zu Neuinvestitionen
  • Liquiditätsfalle ->da alle bereits wieder steigende Zinsen erwarten, wird niemand in Wertpapiere investieren und somit keine Kredite aufgenommen werden
  • Inflation
    • Produktion (Kapazitätswachstum) steigt, jedoch steigt die Nachfrage noch schneller
    • Durch die entstehende Inflation gerät die Notenbank in Konflikt mit ihrem Finalziel der Preisniveaustabilität, so dass sie das Wachstum abwürgen muß durch eine Reduzierung der Geldmenge

Weitere Störpotentiale:

  • Geldpolitik wirkt immer nur indirekt
  • Geldpolitik wirkt asymmetrisch
    • Expansive Geldpolitik ist hinsichtlich ihrer Wirkung unsicher
    • Kontraktive Geldpolitik (Geldmengenreduzierung; Zinserhöhung) hat sichere Wirkung
  • Time lags
    • Die Politik wirkt nicht unmittelbar, sondern braucht Zeit, bis Effekte eintreten
    • In der Geldpolitik wird ein Gesamt-Lag zwischen 9 Monaten und 2-3 Jahren angenommen
    • In der Finanzpolitik geht man von 1-1,5 Jahren aus

Übersicht über die Time-Lags

Geldpolitik

Lags

Finanzpolitik

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 Zeitbedarf

Diagnose-Lag
(Feststellung des Problems)

Therapie-Lag

(Zeit bis zur Maßnahmenwahl)

Durchführungs-Lag

(Zeit bis zur Durchführung)

Umsetzungs-Lag

Evaluations-Lag

(Zeit bis zur Prüfung der Ergebnisse)

 

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Zeitbedarf

1.2.2 Keynes – pur

Situation im IS-LM-Modell

Beschreibung

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Normalsituation:

Geldmenge wird erhöht, d.h. LM1 geht über zu LM 2. Dadurch sinkt der Zins und das Einkommen steigt im Gleichgewicht (Schnittpunkt der Geraden)

->hier ist Geldpolitik sinnvoll

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Investitionsfalle:

Die Geldmenge wird erhöht, d.h. LM1 geht auf LM2 über. Da jedoch die Renditeerwartungen so schlecht sind, ist die IS-Kurve nicht mehr zinsreagibel und es kommt nicht zu einer Einkommenssteigerung

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Liquiditätsfalle:

Die Geldmenge wird erhöht, d.h. LM1 geht auf LM2 über. Einkommen und Zins bleiben jedoch gleich, da bereits ein unteres Zinsniveau erreicht ist und zusätzliches Geld nur noch in Liquidität gehalten wird.

 

Kredittheoretischer Transmissionsansatz

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1.2.3 Monetaristische / neoklassische / angebotsorientierte Ansätze

1.2.3.1 Theorie der relativen Preise

  • Noch Gossen handeln Wirtschaftssubjekte als Nutzenmaximierer, d.h. sie Mischen ein optimales Vermögensportfolio ->U wird maximiert
  • Ein Zentralbankimpuls im Sinne von Geldpolitik stört gezielt dieses Gleichgewicht, um eine Reallokation des Portfolios zu „erzwingen“ / bewirken
  • Ablauf:
    • Die EZB will expansive Geldpolitik
    • Einsatz von Instrumenten, die die Geldbasis beeinflussen
      • Offenmarktpolitik: Senkung des Geldmarktsatzes / Leitzinses (z.T. 3,25%)
      • Ständige Fazilitäten
        • Spitzenrefinanzierungssatz senken (z.Zt. 4,25%)
        • Einlagenfazilität senken (z.Zt. 2,25%)
      • Mindestreserve senken (z.Zt. 2% für Einlagen < 2Jahre, sonst 0%)
    • Dadurch steigt die Geldbasis M
    • Da die Zinsanlage jetzt durch Kurssteigerungen weniger Rendite bringt, werden diese Anlagen verkauft und andere (Aktien, Immobilien) gekauft
    • Dadurch steigen die Preise für diese Güter, so dass der Anleger nach Objekten sucht, die noch nicht im Preis gestiegen sind
    • Dies setzt sich fort, bis der Anleger in neue Güter investiert ->I steigt und damit steigt auch Y ->Ziel erreicht (kurzfristig)
    • Problem: Die Preissteigerung erfasst nach einiger Zeit auch die neuen Güter, so das ein Preisanstieg festzustellen ist ->Konflikt mit dem Ziel der Preisniveaustabilität ->EZB handelt kontraktiv ->der positive Effekt wird wieder gebremst
  • Somit wirkt diese Strategie nur kurzfristig positiv auf die Konjunktur. Langfristig hat sie keine Auswirkungen ->pessimistischer Ansatz

 

1.2.3.2 Postkeynesianischer Ansatz

  • Monetaristischer Ansatz nach J. Tobin
  • Bei Keynes war die Investition neben dem Zins auch noch von der Erwartungshaltung abhängig
  • Angebotspreis des Kapitals = Renditeerwartung bei vorhandenem Sachvermögen
    ->supply price of capital (spc)
  • Der Anleger vergleicht den spc immer mit der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals, sprich der Rendite von Neuinvestitionen
  • Ziel der Notenbank ist die Erhöhung des spc im Neuinvestitionen attraktiver zu machen
  • Aktionsfolge: EZB àM steigt àFinanzvermögen steigt àKauf von bestehendem Sachvermögen àdessen Preis steigt àInvestition in neue Güter àI steigt àY steigt
  • Für Tobin ist die variable Größe unbedeutend (i, M, FLR)

1.3 Geldpolitische Strategien

Geldmengenstrategie

Inflationsstrategie

Wechselkursstrategie

  • In der Tradition der Bundesbank und der französischen Notenbank
  • Angabe eines Geldmengenziels (z.Zt. 4,5% Wachstum p.a.)
  • Punktziel (EZB) oder Bandbreitenziel (früher BuBa) möglich
  • Problem vom Punktziel ist ein Vertrauensverlust bei dauernder Nichterreichung
  • Ursachen für Geldmengenwachstum:
    ->Zinssenkungen
    ->Fristentransformation von langfristigen Anlagen in kürzere Laufzeiten
  • Bei steigendem P wird die Geldmenge reduziert

->indirekte Inflationsverhinderung

  • Z.B. in Großbritannien und früher in Spanien
  • Angabe eines Inflationszieles, z.B. 2%
  • Alle Instrumente sind diesem Ziel untergeordnet
  • Die Notenbank hat jedoch das Problem, dass sie selbst nur sehr gering und indirekt auf die Inflation einwirken kann
  • ->direkte Inflationspolitik
  • Bsp.: frühere Bindung von Gulden und Schilling an DM bzw. Argentinischer Peso an Dollar
  • Anbindung der eigenen Währung an einen starken Partner
  • Für die EZB nur sehr bedingt anwendbar, da die einzig mögliche Leitwährung der USD wäre
  • Aufgabe eigenständiger Geldpolitik
  • Abhängigkeit von der Ankerwährung

->die EZB hat ein Geldmengenziel, was um ein Inflationsziel ergänzt ist

1.4 Instrumente der Geldpolitik

1.4.1 Mindestreserve

  • Ist außerhalb von Euroland nicht üblich ->Wettbewerbsnachteil für die Banken
  • Relativierung des Nachteils durch Verzinsung der Mindestreserve (Zins etwas unter dem Geldmarktsatz)
  • „Schärfste“ Waffe der EZB, da kein Entzug möglich ->Bereits eine Androhung zeigt Wirkung
  • Langfristig orientiertes Instrument ->nicht zur Feinsteuerung
  • Ist eigentlich marktwidrig ->Notenbank agiert als Monopolist und benachteiligt Nachfrager
  • Derzeit ist die Mindestreserve für Einlagen <2 Jahre 2%, sonst 0%

1.4.2 Spitzenrefinanzierung und Einlagenfazilität

  • Spitzenrefinanzierung dient der kurzfristigen Geldbeschaffung ->teuer
  • Spitzenrefinanzierung ist mit früheren Lombardgeschäften vergleichbar
  • Einlagenfazilität dient der kurzfristigen Übernachtanlage von Geld

1.4.3 Offenmarktpolitik

  • Früher wurde der Leitzins über den Wechselankauf gesteuert ->Offenmarktpolitik würde erst in den letzten Jahren populär
  • Inhalte der Offenmarktpolitik:
    • Bilaterale Geschäfte ->die Notenbank spricht nur mit einer Bank und tauscht z.B. mit dieser Bank Wertpapiere gegen Zentralbankgeld
    • Schnelltender ->Zwischen der Ankündigung des Vorhabens (Geldausgabe / Geldaufnahme) und der Zuteilung liegt nur 1 Stunde ->Feinsteuerungsinstrument
    • Standardtender
      • Häufigstes Instrument
      • 24h zwischen Ankündigung und Zuteilung
      • die Auszahlung erfolgt immer diskontiert und die Rückzahlung zu pari
      • längerfristige Tender werden 1x pro Monat zugeteilt und laufen über 3 Monate ->Grobsteuerung
      • kurzfristige Tender werden wöchentlich zugeteilt und laufen über 14 Tage ->Feinsteuerung

Tenderarten

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Beispiel: Mengentender zu 3,25%

  • Gebote: Bank 1: 30 Mio.; Bank 2: 40 Mio.; Bank 3: 70 Mio. ->Gesamt 140 Mio.
  • Zugeteilt werden durch die EZB: 105 Mio. ->entspricht 75% der gewünschten Gesamtsumme
  • Jeder bekommt jetzt 75% der gewünschten Summe
  • Bei amerikanischen Verfahren lohnt es sich für die Banken, ihre Gebote auf verschiedene Zinssätze zu verteilen
  • Beim amerikanischen Verfahren wird, wenn zum niedrigsten Zins die Summe nicht mehr reicht eine Zuteilungsquote errechnet ->Verfügbare Summe / gewünschte Summe zum niedrigsten Zins
 
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