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Makroökonomie 8 Drucken
Volkswirtschaftslehre - Makroökonomie

1.1 Das keynesianische Totalmodell / Die neoklassische Synthese

  • Betrachtung des IS-LM-Modells im Zusammenhang mit allen gesamtwirtschaftlichen Märkten (Arbeitsmarkt und Gütermarkt)
  • IS-LM-Modell wird im neoklassischen Zusammenhang betrachtet ->d.h. es wird von flexiblen Löhnen ausgegangen
  • Darstellung:

Image

Herleitung:

  • Zentralmarkt ist der Gütermarkt (Vgl. Klassik: Arbeitsmarkt als Zentrum)
  • Güterangebot wird aus dem Arbeitsmarkt abgeleitet
  • Gleichgewicht am Arbeitsmarkt = Vollbeschäftigungseinkom-men, d.h. jeder der arbeiten will, arbeitet
  • Über N* ergibt sich ein Einkommen Y* und damit Güterangebot YS
  • Y* ist ein Vollbeschäftigungs-einkommen
  • Die Güternachfrage wird aus dem IS-LM-Modell abgeleitet
  • Herleitung der Güternachfrage:

Image

  • Die LM-Kurve gilt immer für ein bestimmtes Preisniveau und ist für diese Kurve ist das Preisniveau auch konstant
  • Betrachtet man somit verschiedene Preisniveaus, s betrachtet man auch verschiedene LM-Kurven
  • Im Schnittpunkt zwischen LM-Kurve und IS-Kurve ist sowohl der Geldmarkt, als auch der Kapitalmarkt im Gleichgewicht.
  • Für den Kapitalmarkt gilt somit I=S ->Yd=Ys=Y
  • Somit existiert bei jedem Preisniveau ein Gleichgewicht im IS-LS-Modell, für dass das Einkommen gleich der Güternachfrage ist
  • Für verschiedene Preisniveaus ergibt sich somit die effektive Nachfrage
  • Erklärung der negativen Abhängigkeit der Nachfrage zum Preis:
    • Eine Erhöhung des Preisniveaus führt zu einer Verringerung des Geldangebots und damit der tatsächlichen Geldhaltung -> Image
    • Damit ist die tatsächliche Geldhaltung kleiner als die gewünschte Geldhaltung ->Image
    • Um die tatsächliche Geldhaltung zu erhöhen werden Wertpapiere verkauft, wodurch das Angebot auf dem Wertpapiermarkt steigt und die Kurse fallen und damit die Zinsen steigen
    • Durch die gestiegenen Zinsen gehen die Investitionen der Unternehmen zurück ->Image
    • Somit sinkt auch die effektive Nachfrage Yd
    • ->Somit gilt: Wenn P steigt, sinkt die Nachfrage Yd (Keynes-Effekt / Realkasseneffekt) ->Vergleichbar mit dem Cambridge-Effekt in der Neoklassik
  • ein Gleichgewicht auf dem Gütermarkt stellt sich immer ein, solange die Löhne flexibel sind
  • die Bestimmung des Nominallohnes erfolgt analog zur Neoklassik
  • Zusammenfassung der Gleichgewichte:
  Arbeitsmarkt

Image

Gleichgewicht bei:Image

Produktionsfunktion

Y=f(N)

Gleichgewicht bei Y*=YS

Kapitalmarkt (IS-Kurve)

S(Y)=I(i)

Gleichgewicht bei i*

Geldmarkt (LM-Kurve)

Image

Gleichgewicht bei i* und P*

Nominallohnbestimmung

Image

Gleichgewicht bei w*

1.1.2 Einfluß eines Preisniveaus unter dem Gleichgewichtsniveau

Darstellung:

Image

Herleitung:

  • Das Preisniveau sinkt von P* aus P2
  • Für P2 ergibt sich eine neue LM-Kurve LM2 die flacher verläuft als LM
  • Es entsteht somit ein neues Gleichgewicht im IS-LM-Modell
  • Somit entsteht bei dem neuen Gleichgewicht auch eine neue effektive Nachfrage Yd1
  • Diese ist jedoch größer als das Güterangebot YS1
  • Da die Unternehmen bereits im Optimum arbeiten (das Grenzprodukt der Arbeit und des Kapitals sind unverändert) werden sie nicht mehr produzieren
  • Es erfolgt daher eine Anpassung über das Preisniveau
  • Das Preisniveau kehrt wieder zu P* zurück und das System ist wieder im Gleichgewicht
  • Eine Änderung des Preisniveaus hat somit langfristig keine Auswirkungen

1.1.3 Einfluß einer Geldmengenerhöhung bei konstantem Preisniveau

Darstellung:

Image

Herleitung:

  • Die Geldmenge wird erhöht, wodurch sich die LM-Kurve nach unten verschiebt (->LM2-Kurve)
  • Dadurch entsteht eine neue effektive Nachfrage Yd2
  • Da das Preisniveau jedoch konstant geblieben ist, muß sich die Nachfragekurve nach oben verschieben, um bei Yd2 wieder das Niveau P* zu erreichen
  • Die Nachfrage Yd2 ist jedoch größer als das Güterangebot YS1
  • Da die Unternehmen bereits im Optimum arbeiten (das Grenzprodukt der Arbeit und des Kapitals sind unverändert) werden sie nicht mehr produzieren
  • Es erfolgt daher eine Anpassung über das Preisniveau
  • Dabei geht die LM2-Kurve wieder auf die LM-Kurve zu während als neue Nachfragekurve Yd2 erhalten bleibt.
  • Das Preisniveau ist damit von P* auf P2 gestiegen ->Anpassung über P
  • Anmerkung: Durch das steigende Preisniveau steigt auch der Nominallohn von w* auf w2, da die Unternehmen weiterhin den gleichen Reallohn zahlen
  • Eine Geldmengenerhöhung hat demnach in der neoklassischen Synthese aufgrund der flexiblen Löhne keinen Einfluß auf die Nachfrage ->Unterschied zum keynesianischen Modell ->Grund: in der Synthese ist eine Vollbeschäftigung auf dem Arbeitsmarkt gegeben und somit im Gegensatz zum keynesianischen Modell keine Arbeitslosigkeit möglich
  • In der Neoklassischen Synthese hat der Geldmarkt langfristig keinen Einfluß auf den Gütermarkt

1.2 Störungen im Keynesianischen Totalmodell

  • Wirtschaftsobjekte zeigen ein Verhalten, dass das Gleichgewicht stört
  • Es kommt nach der Störung nicht mehr zu einem allgemeinen Gleichgewicht
  • I.d.R. kommt es zu einem Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt
  • Es gibt die Investitionsfalle, Liquiditätsfalle und die starren Nominallöhne

1.2.1 Investitionsfalle

  • Zinsunabhängige Investitionen (wie schon im Einkommen-Ausgaben-Modell)
  • Grund: negative Erwartungen der Unternehmen, sdass sie nicht mehr als einen Grundbetrag investieren
  • Ausgangslage:
    Image->die Investitionen sind konstant unabhängig vom Zins
  • Konstruktion der IS-Kurve:
    Image
  • Die IS-Kurve wird somit ebenfalls zinsunabhängig ->es gibt nur noch ein Gleichgewichtseinkommen
  • Ermittlung der Effektiven Nachfrage (Verfahren analog zum Keynesianischen Totalmodell):
    Image
    ->Der Keynes-Effekt ist gestört, d.h. ein steigendes Preisniveau führt nicht mehr zu einer sinkenden Nachfrage ->die Nachfrage bleibt unabhängig vom Preisniveau konstant
  • Auswirkungen im Gesamtmodell: siehe unten

1.2.2 Liquiditätsfalle

  • Besonderer Verlauf der Geldnachfrage
  • Die Spekulationskasse wird ab einem bestimmten Zins zinsunabhängig
  • Darstellung der Spekulationskasse:
    Image
    ->ab dem Zins i wird die Spekulationskasse unendlich Zinselastisch, dass heißt, eine Erhöhung der Geldmenge ab diesem Zins führt nicht mehr zu einem sinkenden Zins, sondern zu einer Geldhaltung
  • Begründung der Zinselastizität: Die Wirtschaftssubjekte erwarten steigende Zinsen und somit Kursverluste. Daher halten sie keine Wertpapiere. Sinken die Zinsen weiter, bleiben sie trotzdem in ihrer Erwartung steigender Zinsen und die erhöhte Geldmenge durch die niedrigeren Zinsen fließt zu 100% in die Spekulationskasse
  • iist die untere Zinsgrenze. Ab hier gilt die absolute Liquiditätspräferenz
  • Darstellung der LM-Kurve:
    Image
    ->Die LM-Kurve ist in einem bestimmten Bereich zinsunabhängig
  • Bei einer Senkung des Preisniveaus / Erhöhung der Geldmenge verschiebt sich die LM-Kurve nach rechts jedoch nicht nach unten
  • Ableitung der Nachfrage:
    Image
  • Yd ist konstant bei Y1 ->die Nachfrage ist unabhängig vom Preisniveau
  • Es gibt nur ein Einkommen, bei dem Angebot und Nachfrage übereinstimmen

1.2.3 Auswirkungen der Investitionsfalle und der Liquiditätsfalle auf das Totalmodell

Image

Herleitung:

  • Durch Investitions- und Liquiditätsfalle entsteht eine preisunabhängige Nachfrage Yd
  • Dadurch ist jetzt das Angebot größer als die Nachfrage
  • Da eine Preissenkung ohne Wirkung ist (Yd=konst.), reagieren die Unternehmen mit einer Senkung des Angebots
  • Dies führt dazu, dass weniger Arbeit eingesetzt wird (NO)
  • Da die Nachfrage konstant ist, wird jetzt auch unabhängig vom Lohn nicht mehr oder weniger Arbeit nachgefragt, d.h. Arbeitsnachfrage wird lohnunabhängig (rote Linie)
  • Es tritt eine Unterbeschäftigung in Höhe von N*-N0 ein
  • Diese Arbeitslosigkeit ist nicht lohnbedingt
  • Somit findet ein Anpassungsprozeß (rosa Pfeil) statt
  • Tendenzielle Preissenkung durch Überangebot wird durch Produktionseinschränkung behoben
  • Kein allgemeines Gleichgewicht mehr, sondern ein Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung
  • Geldpolitik ist unwirksam, da Zinsänderungen keinen Einfluß auf die Nachfrage haben ->der Staat muß eingreifen

->Begründung von Arbeitslosigkeit, da es Zufall wäre, wenn das eine Einkommen Y, dass die Nachfrage Yd hat gleich dem Güterangebot YS ist.

Staatseingriffe, wenn geldpolitische Maßnahmen nicht greifen:

  • Investitionsfalle:
    • Verbesserung der Unternehmenserwartungen, sdass diese wieder normal investieren
    • Staat investiert selber und verschiebt sdie IS-Kurve nach rechts
  • Liquiditätsfalle:
    • Staat investiert selber und verschiebt sdie IS-Kurve nach rechts
    • Staat fragt Kapitalgüter nach

1.2.4 Starre Nominallöhne im Keynesianischen Totalmodell

  • Normalerweise gibt es flexible Nominallöhne, d.h. der Nominallohn wird bei Preisänderungen angepasst, sdass der Reallohn konstant bleibt
  • Starre Nominallöhne: bei einer Erhöhung des Preisniveaus sinkt der Reallohn, bzw. bei einer Senkung des Preisniveaus steigt der Reallohn ->Nominallohn bleibt konstant
  • Es erfolgt eine Reaktion der YS-Kurve auf die starren Nominallöhne

Image

Herleitung:

  • w ist konstant ->nur eine Nominallohnkurve
  • für P1 ist ein Reallohn (w/P1) festgelegt, der zu einer Arbeitsnachfrage N1 führt und die dann eine bestimmte Produktion Y1 zur Folge hat
  • gleiches gilt für P2 und P3 ->steigendes Preisniveau führt zu sinkenden Reallöhnen und somit zu einer höheren Nachfrage nach Arbeit
  • Es ergibt sich daher eine steigende YS-Funktion (blaue Fkt.)
  • Bei P3 kann es jedoch zu einer Beschränkung des Arbeitsangebotes kommen durch den niedrigen Reallohn, sdass nur Ns3 zustande kommt. Dadurch kippt die Güterangebotsfunktion wieder nach innen (blaue Funktion)
  • Die Güternachfrage ist im IS-LM-Modell abgeleitet
  • Die Gleichgewichtsnachfrage YS = Yd entspricht Y1
  • Bei diesem Einkommen herrscht eine Arbeitslosigkeit von N2-N1, da N2 die Gleichgewichtsbeschäftigung ist ->Grund: zu hoher Reallohn
  • Das Modell führt zu einem Gleichgewicht aller Märkte, bis auf den Arbeitsmarkt
  • Es gibt keine Tendenz zu einem allgemeinen Gleichgewicht der Märkte
  • Entspricht der neoklassischen Erklärung von Arbeitslosigkeit
  • Behebung des Ungleichgewichtes durch Staatseingriffe:
    • Staatsinvestitionen
      • Verschiebung der IS-Kurve nach Außen und damit auch der Yd-Kurve ->P steigt ->Nd steigt, da Reallohn sinkt ->Gleichgewicht stellt sich ein
    • Erhöhung der Geldmenge
      • LM- und Yd-Kurve sind nach außen verschoben
      • Sinkender Zins ->Investitionen steigen ->Nachfrage steigt (Yd) ->Preise steigen ->Reallohn sinkt ->mehr Arbeitsnachfrage ->Gleichgewicht stellt sich ein
  • In diesem Ungleichgewicht ist eine sehr starke Verbindung der Märkte festzustellen
 
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