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Makroökonomie 6 Drucken
Volkswirtschaftslehre - Makroökonomie

1 Keynesianische Theorie

1.1 Hintergrund und Grundgedanken

  • Einbeziehung der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren, da die dortige Arbeitslosigkeit nicht mehr durch das klassisch-neoklassische Modell erklärbar war
  • Langfristige Gleichgewichte reichen nicht, da kurzfristige Ungleichgewichte starken Einfluß auf die Wirtschaft haben können
  • Keynesianische Theorie erklärt die Arbeitslosigkeit
  • Kritik der Keynesianer beginnt bei den Annahmen der Neoklassik:
    • Preise sind nicht immer flexibel
      • Möglichkeit von Preisrigiditäten / Preisstarrheiten
      • Keine Dichotomie zwischen Geldmarkt und den realen Märkten
    • Nachfrage bestimmt das Angebot statt umgekehrt
    • Einfluß von Unsicherheit auf Entscheidungen der Wirtschaftssubjekte ->keine vollkommene Information oder vollkommene Konkurrenz
    • Investitionsverhalten der Unternehmen ist von Ertragserwartungen statt nur vom Zins abhängig
    • Konsumverhalten der Haushalte ist nicht vom Zins, sondern vom Einkommen abhängig
    • Unterschiede bei der Abhängigkeit der Geldhaltung der Haushalte
    • Saysches Theorem gilt nicht bzw. nur schwach
  • Es gibt noch eine Tendenz zum Gleichgewicht in der Keynesianischen Theorie ->Bastard-Keynesianismus

1.2 Das Einkommen-Ausgaben-Modell (Keynesianisches Kreuz)

  • Betrachtet den Gütermarkt
  • Annahmen:
    • Es gibt unausgelastete Kapazitäten ->Arbeitslosigkeit ist möglich
    • Die Investitionen sind konstant exogen vorgegeben
    • Betrachtungen in realen Größen ->Preise spielen keine Rolle bzw. sind konstant
  • Grundidee:
    • Entstehende Einkommen werden Ausgaben der Nachfrage gegenübergestellt ->effektive Nachfrage (gibt an, wie viel am Markt nachgefragt wird Yd=C+I)

1.2.1 Die Keynesianische Konsumfunktion und die Sparfunktion

  • Konsum ist abhängig vom Realeinkommen ->je mehr Einkommen, destmehr Konsum
  • Image
  • absolute Einkommenshypothese: Konsum der laufenden Periode ist vom laufenden Einkommen abhängig, d.h. der Zins spielt eine untergeordnete Rolle
  • Annahmen bezüglich der Eigenschaften der Konsumfunktion= Fundamental-psychologisches Gesetz:
    • Steigen die Einnahmen, steigt auch der Konsum
    • Absolute Konsumzunahme ist kleiner als die Einkommenszunahme ->von jeder zusätzlichen Einheit Einkommen wird ein Teil gespart
      • Marginale Konsumneigung: Image
      • Unterschied zur Klassik: dort wurde jedes Mehreinkommen komplett konsumiert
      • Beispiel: C=100+0,8Y ->von jeder zusätzliche Einkommenseinheit werden 0,8 Einheiten konsumiert
  • Es gibt eine Budgetrestriktion: Y=C+S ->Mehr als das Einkommen kann nicht verwendet werden
  • Sparleistung ist vom Einkommen abhängig ->Y=C(Y)+S ->S(Y)=Y-C(Y)
  • Marginale Sparneigung: S’Y=1-C’y -> S’y+ C’y=1 ->jedes zusätzliche Einkommen wird somit komplett verwendet
  • Beispiel einer Sparfunktion: S=Y-100-0,8Y=0,2Y-100 ->bei einem sehr geringen Einkommen wird theoretisch „entspart“, da der Haushalt die 100 braucht, um zu leben (autonomer Konsum Caut=Mindestkonsum, selbst ohne Einkommen)
  • Annahme einer linearen Konsumfunktion:
    Image
    C=Caut+C’*Y
    ->der Fall Y=0 oder ein sehr geringes Einkommen ist makroökonomisch nicht relevant
  • Die ebenfalls lineare Sparfunktion, die aus der Konsumfunktion abgeleitet ist:
    Image
    S=Y-C=Y- Caut-C’=(1-C’)Y-Caut=S’Y-Caut
  • Empirisch liegt die Konsumneigung bei ca. C’=0,87
  • WICHTIG: Die Sparfunktion ist nicht, wie in der Klassik vom Zins abhängig, sondern vom Einkommen

1.2.2 Darstellung des Einkommen-Ausgaben-Modells

  • Gütergleichgewicht wird abgebildet
  • Yd=Caut+C’Y+I (I=exogen=konstant ->es wird unabhängig vom Zins investiert)
  • Gleichgewichte, wenn Y=YS=Yd
  • Das Güterangebot bestimmt das Einkommen (YS=Y), da alles, was produziert wird, als Einkommen an die Haushalte ausgeschüttet wird
  • Yd=Y=effektive Nachfrage ->Ergibt sich als Winkelhalbierende (45°) im Yd-Y-Diagramm des Einkommen-Ausgaben-Modells
  • Y0 ist das Einkommen, bei dem Güterangebot / Einkommen und die effektive Nachfrage gleich sind ->Gleichgewicht auf dem Gütermarkt
  • ê Darstellung:
    Image
  • Es gibt somit nur ein einziges Einkommen, das zu einem Gleichgewicht auf dem Gütermarkt führt ->in der Klassik / Neoklassik war jedem Einkommen ein Gleichgewicht auf dem Gütermarkt zugeordnet
  • Ist Y>Y0 ist mehr Angebot als Nachfrage vorhanden, da das Einkommen was identisch mit dem Güterangebot ist (lila Linie) größer ist, als die effektive Nachfrage (grüne Linie)
  • Ist Y<Y0 ist mehr Nachfrage als Angebot vorhanden, dass heißt, dass Güterangebot und damit die Einkommen reichen nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen
  • Gleichgewichtsberechnung: Image
  • Nach Keynes ist es eher unwahrscheinlich, dass das eine Gleichgewichtseinkommen auf dem Gütermarkt gleich dem Vollbeschäftigungseinkommen ist ->bei einem Gleichgewicht auf dem Gütermarkt kann es zu Arbeitslosigkeit kommen oder bei Vollbeschäftigung ist kein Gleichgewicht auf dem Gütermarkt
  • Was geschieht, wenn der Markt im Ungleichgewicht ist, z.B. Y>Y0?
    • Yd<Y ->C+I<C+S ->I<S ->Ungleichgewicht auf dem Kapitalmarkt
    • Erklärung der Reaktion der Unternehmen nach Keynes:
      • Da die Nachfrage kleiner ist als die Einkommen und damit das Güterangebot, werden die Unternehmen weniger produzieren
      • Ys sinkt somit und damit auch das Einkommen der Haushalte (Y sinkt)
      • Wenn die Haushalte weniger Einkommen haben, konsumieren und sparen sie weniger (siehe Konsumfunktion)
      • Der Markt strebt damit wieder nach Y0, da die Nachfrage langsamer sinkt, als die Einkommen und damit das Güterangebot
  • Darstellung des Kapitalmarktes:
    • Kapitalangebot ist das Sparen der Haushalte = S = Y-C
    • Kapitalnachfrage sind die Investitionen (exogen und konstant)
    • Darstellung:
      Image
    • Nur ein Einkommen Y0 (dasselbe, wie auf dem Gütermarkt) sorgt für ein Gleichgewicht auf dem Kapitalmarkt
    • Ist I>Y0 ssind die Ersparnisse größer als die Investitionen und es kommt zu einem Ungleichgewicht auf dem Kapitalmarkt
      • Da in diesem Fall das Güterangebot größer als die Nachfrage ist, wird weniger produziert und das Einkommen sinkt
      • Mit geringerem Einkommen wird weniger gespart, sdass das Gleichgewicht am Kapitalmarkt wiederhergestellt wird
  • Hauptgröße des gesamten Modells ist die effektive Nachfrage

1.2.3 Ermittlung des Vollbeschäftigungseinkommens

Image

  • Bei Y* gibt es ein Vollbeschäftigungseinkommen
  • Y* ist bei einer Nachfragekurve Yd nicht stabil, da immer wieder der Zustand Y0 angestrebt wird
  • Lösung: Erhöhung der effektiven Nachfrage durch den Staat (1 Erhöhung um ΔI)
    ->Staatsinvestitionen oder Zukunftserwartungen der Unternehmen ändern sich, sdass sie mehr konsumieren
  • Yd2=Yd+ΔI=C(Y)+I+ΔI
  • Weg zum neuen Einkommen:
    • Multiplikatoreffekt ->betrachtet den Anpassungsvorgang, wenn sich die Investition verändert
      • Gibt an, um wie viel das Einkommen steigt, wenn sich die Investitionen um eine Einheit erhöhen
      • Da Multiplikator: Einkommen steigt stärker, als die Investitionen ->Güterangebot steigt schneller als die Nachfrage
    • 1. Schritt
      • Yd steigt an (Nummer 2 in der Zeichnung) um ΔI
      • Neue Nachfrage somit Yd1=Yd+ΔI=C(Y)+I+ΔI
    • 2. Schritt
      • durch die erhöhte Nachfrage wird die Produktion ausgeweitet auf Ys1 (3)
      • dadurch erhöht sich auch das Einkommen auf Y=Ys1
      • durch das erhöhte Einkommen wird wieder mehr konsumiert, d.h. der Konsum und damit die Nachfrage steigen (4) um ΔC=C’*ΔY
    • 3. Schritt
      • durch die wiederum erhöhte Nachfrage wird wieder mehr produziert (5), was wieder zu mehr Einkommen und mehr Konsum führt (ΔC2=C’*ΔY=C’C’ΔY)
      • dieser Schritt wiederholt sich immer wieder
    • ΔY lässt sich wiefolgt berechnen: Image
    • Daher gilt: Image
    • Multiplikator=Image; gibt an, wie viel Mal stärker das Einkommen im Vergleich zur Investition steigt
 
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