bankstudent.de

wirtschaftsstudium.online

Startseite arrow Skripte arrow BWL arrow Finanzierung
Alle Skripte als PDF
Die bankstudent.de BWL-CD Ergänzung
Die bankstudent.de BWL-CD Ergänzung
EUR6,50
bestellen

Hauptmenü
Login





Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren

Finanzierung Drucken
Betriebswirtschaftslehre - Investition & Finanzierung

1 Finanzierung

Finanzierung = Bereitstellung finanzieller Mittel bzw. Freisetzung von gebundenem Kapital

Investition = Bindung von Kapital

 

Image

 

Finanzierungszwecke:

  • Neufinanzierung
    • Neue Mittel, direkt für Investitionszwecke
  • Umfinanzierung
    • Finanzierungseigene Zwecke ->keine Neuinvestition
    • Ablauf von Zinsbindungsfristen
    • Prolongationen
    • Substitution ->Austausch von Kapital infolge von Kapitalentzug
    • Transformation ->FK zu EK oder Änderung der Fristigkeit

 

Finanzierungsanlässe:

  • Laufende Finanzierung
    • Bedarfsfälle täglicher oder periodischer Natur
    • Z.B. laufende Produktion
  • Besondere Finanzierung
    • Besondere Anlässe, einmalige Vorgänge oder nur gelegentlicher Bedarf
    • Unternehmensgründung
    • Erweiterung / Umwandlung von Vermögen in Geld / Disposition
    • Liquidation des Unternehmens
    • Kapitalerhöhung / Kapitalherabsetzung
    • Änderung der Rechtsform
    • Fusion
    • Sanierung

1.1 Kapitalbedarfsermittlung

Unterteilung in:

  • Kapitalbedarfsrechnung
  • Finanzplan

1.1.1 Kapitalbedarfsrechnung

  • Wird bei der Unternehmensgründung bzw. –erweiterung angewandt
  • Nicht geeignet für eine Finanzplanung

 

Schematische Darstellung und Aufbau eines Kapitalbedarfsplan:

Image

Investitionsplan

1. Langfristiger Kapitalbedarf

  • Mittel für Anlagevermögen
  • Warenanfangsbestand (eiserner Bestand)
  • Gründungskosten
  • Kosten für Ingangsetzung

2. kurzfristiger Kapitalbedarf

  • Fertigungslöhne
  • Betriebsstoffe, Rohstoffe, Hilfsstoffe
  • Lfd. Posten
  • Gemeinkosten

3. Kosten der Lebenshaltung

4. Reserve für Unvorhergesehenes

  • Der kurzfristige Kapitalbedarf ist so zu bemessen, dass der laufende Bedarf an Finanzmitteln gedeckt ist, bis die ersten Rückflüsse aus dem Umsatzprozeß kommen, die dann für den Weiterlauf des Produktionsprozesses sorgen ->Finanzierung der weiteren Produktion aus dem Umsatzerlösen
  • Somit sind täglicher Kapitalbedarf und Freisetzungszeit / Kapitalbindungsdauer für den Bedarf an kurzfristigen Mitteln entscheidend

1.1.1.1 Kumulative Methode / Durchschnittsrechnung zur Ermittlung des kurzfristigen Bedarfs

->kurzfristiger Kapitalbedarf = Image

1.1.1.2 Selektive Methode zur Ermittlung des kurzfristigen Bedarfs

ê Berücksichtigung der unterschiedlichen Kapitalbindungsdauer der verschiedenen UV-Bestandteile

 

 

Durchschn. Rohstofflagerdauer

Fertigungsdauer

Durchschn. Lagerdauer der Fertigerzeugnisse

Durchschn. Kundenzahlungsziel

Lieferantenziel

 

Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe

 

Kapitalbindung

Fertigungslöhne

 

Kapitalbindung

Gemeinkosten
(Verwaltung+Vertrieb)

Kapitalbindung








Beispiel:
  • Bedarf:
    • Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe: 1200€/ Tag
    • Fertigungslöhne: 500€/Tag
    • Gemeinkosten: 700€/Tag
  • Bindungsdauer:
    • Rohstofflagerdauer: 8 Tage
    • Fertigungsdauer: 3 Tage
    • Lagerdauer der Fertigerzeugnisse: 2 Tage
    • Kundenzahlungsziel: 5 Tage
    • Lieferantenzahlungsziel: 10 Tage
  • Finanzierungsbedarf:
    • Rohstoffe,.. : 1200€*(8+3+2+5-10) = 9600€
    • Fertiglöhne: 500€*(3+2+5) = 5000€
    • Gemeinkosten: 700€*(8+3+2+5)=12600€
  • Gesamter kurzfristiger Kapitalbedarf: 27200€

1.1.1.3 Investitionsplan und Finanzierungsplan

Investitions- / Gründungsplan

 

Finanzierungsplan

1. Langfristiger Kapitalbedarf

...

...

...

<-!!Fristenkongruenz!!->

1. Langfristiges Kapital

ê Eigene Mittel (Sachmittel, Barmittel)

ê Langfristige Fremdmittel

2. Kurzfristiger Kapitalbedarf

...

...

...

<-!!Fristenkongruenz!!->

2. Kurzfristiges Kapital

3. Kosten der Lebenshaltung

4. Reserve für Unvorhergesehenes

=Gesamtkapitalbedarf

 

=Gesamtfinanzierungsbedarf = Gesamtkapitalbedarf

1.1.2 Finanzplan

  • Periodenorientierte Betrachtung
  • Dynamische Liquiditätsplanung
  • Beurteilung von Liquiditätsgraden (z.B. Liquide Mittel / kurzfristige Forderungen):
    • Nur statische Betrachtung ->1 Tag Gültigkeit
    • Kontokorrentkredite finden keine Berücksichtigung
    • Keine konkreten Fälligkeiten erkennbar

 

Finanzplan

Liquiditätsplanung

Kapitalbindungs- / Kapitalbedarfsplanung

  • Kurzfristig
  • Detaillierte Aufführung von erwarteten Einzahlungen und Auszahlung
  • Ausführende Funktion da Zahlungsströme bereits fest stehen
  • Langfristig
  • Grobplanung
  • Soll-Planung, d.h. die Werte können noch beeinflusst werden
  • Über mehrere Jahre, d.h. Planungseinheit sind Jahre
  • Keine Aussagen zur Liquidität ->nur Entwicklung von Bilanzpositionen wird aufgezeigt
  • Darstellung des Kapitalbedarfs in der Periode (kapitalbindende- und kapitalentziehende Maßnahmen)
  • Gegenüberstellung mit dem Finanzierungsplan der Periode (EK-Erhöhung, FK-Zuführung oder aus Umsatzüberschüssen)

Tägliche Liquiditätsdisposition

Finanzplanung im engeren Sinne

  • Planungseinheit = 1 Tag
  • Max. über 7-30 Tage
  • Erfassung der täglichen Ein- und Auszahlungen
  • Ermittlung der taggenauen Zahlungsfähigkeit
  • Zeitraum bis zu 1 Jahr
  • Planungseinheit= Monate
  • Statt der Liquidität wird der Liquiditätsstatus ermittelt

->Basis für die Rechnung sind immer Zahlungsströme!!ç

Ziele des Finanzplanes:

  • Finanzprognose
  • Finanzbudgetierung (Zuweisen von Mitteln und Planzahlen an untergeordnete / nachfolgende Einheiten)

1.2 Alternativen der Kapitaldeckung

Finanzierungsarten / -Formen

  • Nach Fristigkeit (kurzfristig, mittelfristig, langfristig)
  • Woher kommt das Geld? ->Außen- oder Innenfinanzierung
  • Rechtsstellung des Kapitalgebers
    • Eigenfinanzierung (Kapitalgeber = Miteigentümer)
    • Fremdfinanzierung (Kapitalgeber = Gläubiger)

1.3 Kriterien bei der Auswahl der Finanzierungsart

  • Benötigte Kapitalhöhe
    • In welchem Maße ist eine Eigenfinanzierung möglich?
    • In welcher Höhe sind Fremdmittel nötig?
  • Kapitalkosten / Einfluß auf die Liquidität
    • Einmalige Kosten (Abschlusspreise, Vermittlungsprovisionen, Damnum)
    • Laufende Kosten (Zinsen, Kosten der Nutzung / Bereitstellungszins)
    • Liquiditätsbeeinflussung (laufende Tilgung)
  • Kapitalsicherung (Können Sicherheiten gestellt werden?)
  • Kapitaleinfluß ->Welche Informationen müssen offengelegt werden?
    • Fremdkapital ->Kreditwürdigkeitsprüfung
    • Eigenkapital ->Mitspracherechte, Informationsrechte
    • Umwandlung von Rechtsformen (Personengesellschaft -> Kapitalgesellschaft)
  • Kapitalrentabilität ->Leverage-Effekt
    • Einhaltung von Finanzierungsregeln (in Form von Bilanzkennziffern)

1.3.1 Finanzierungsregeln

Image

  • Vertikale Finanzierungsregeln
    • Positionen einer Bilanzseite werden verglichen
  • Horizontale Finanzierungsregeln
    • Positionen der Passivseite werden Positionen der Aktivseite gegenübergestellt
  • Liquiditätsregeln
    • Positionen der Aktivseite werden Positionen der Passivseite gegenübergestellt

1.3.1.1 Beispiele vertikaler Regeln

  • Betrifft die Zusammensetzung des Kapitals ->Kapitalstruktur
  • Beispiele für Kennziffern:
    • Image
  • Beispiele für Finanzierungsregeln:
    • 1:1-Regel -> Image
    • 2:1-Regel -> Image
    • WICHTIG: Die Kennzahl selbst ist wenig aussagekräftig, solange sie nicht im Branchenvergleich oder in der zeitlichen Entwicklung betrachtet wird!!

1.3.1.2 Beispiele für horizontale Finanzierungsregeln

  • Betrifft die „Goldene Bankregel“ -> Fälligkeit der finanziellen Mittel muß mit der Fristigkeit ihrer Verwendung übereinstimmen
  • Als Kennzahlen dienen die Anlagedeckungsgrade:

Anlagedeckungsgrad I

Anlagedeckungsgrad II

Anlagedeckungsgrad III

Image

Image

Image

  • WICHTIG: Die Kennzahl selbst ist wenig aussagekräftig, solange sie nicht im Branchenvergleich oder in der zeitlichen Entwicklung betrachtet wird!!

1.3.1.3 Beispiele für Liquiditätsregeln

  • Als Kennzahlen dienen die Liquiditätsgrade:

Liquidität 1. Grades

Liquidität 2. Grades

Liquidität 3. Grades

Image

Image

Image

Ca. 5-10%

Ca. 100%

Ca. 180-200%

  • Probleme:
    • Aussagekraft der Kennzahlen gering, da kurzfristige Verbindlichkeiten eine Restlaufzeit von bis zu einem Jahr haben können!
    • Offene Kreditlinien sind nicht in der Bilanz ersichtlich, stehen jedoch als Liquidität zur Verfügung
    • Stichtagsbezogen, d.h. u.U. durch bilanzpolitische Maßnahmen verzerrt. Beispiel:
      • UV = 50 und kurzfr. Verbindlichkeiten = 100
        ->Liquidität 3. Grades = 0,5 ->50%
      • Aufnahme eines 1-Tages-Kredites über 50,- für den Bilanzstichtag
      • Folge: UV=100 und kurzfristige Verbindlichkeiten = 150
        -> Liquidität 3. Grades = 0,667 ->67%
      • ->Window-Dressing (Bilanzpolitur / Bilanzpolitik)
      • die Statik der Kennzahl ermöglicht eine bilanzpolitische Verzerrung
  • Um Verzerrungen bei den Liquiditätskennzahlen vorzubeugen, wird zusätzlich die Kennzahl des Working Capital herangezogen:
    ->Working Capital (W.C.)= Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten
  • Steigt die Liquidität bei gleichbleibenden W.C., so ist die Liquidität zu hinterfragen
  • W.C<0 ->Teile des Anlagevermögens sind kurzfristig finanziert ->negativ
  • W.C.>0 ->Teile des Umlaufvermögens sind langfristig finanziert ->u.U. positiv

1.3.2 Innenfinanzierung

->Mittelherkunft aus Umsatzprozessen

1.3.2.1 Arten der Mittelherkunft

Image

  • Rückstellungsgegenwert und Abschreibungsgegenwert bedeutet, dass die entsprechende Summe als liquide Mittel vorliegt

1.3.2.2 Finanzierung aus Abschreibungswerten

Verlauf einer Investition und ihrer Abschreibung:

Image

 

Beispiel:

Es werden 4 Maschinen zu je 3000€ angeschafft; Nutzungsdauer 3 Jahre, lineare Abschreibung, Kapazität: 1000Stk. pro Maschine p.a.; Die AfA-Beträge werden sofort wieder in Maschinen reinvestiert

Jahr

Maschinen

Kapazität (Stk)

AfA (€)

Investition in neue Maschinen

Rest-Afa

1

4

4000

4000

3000€ für 1 Maschine

1000€

2

5

5000

5000

5000€+1000€ für 2 Maschinen

0€

3

7

7000

7000

6000€ für 2 Maschinen

1000€

4

5 (7+2-4, da 4 Stk. abgeschrieben)

5000

5000

...

...

Nach den 4 Jahren sind nicht nur die 4 Maschinen ersetzt, sondern sogar noch zusätzlich 1 Maschine aus den AfA-Beträgen angeschafft worden ->Kapazitätserweiterungseffekt ist eingetreten

->Lohman-Ruchti-Effekt oder auch Marx-Engels-Effekt

->Somit kann durch Reinvestition der erwirtschafteten Abschreibungsgegenwerte die Periodenkapazität erweitert werden

 

Die Höhe in die Berechnung, wie im Beispiel oben setzt jedoch einige Umstände voraus, die in der Realität nicht immer gegeben sind:

  • Stabile Preise für die Anlagen
  • Gleiche Produktionsfähigkeit der Anlagen über die gesamte Nutzungsdauer
  • Zusätzliches Absatzpotential am Markt
  • Keine zusätzlichen Kosten für Material und Personal,...

1.3.3 Außenfinanzierung

Alternativen:

  • Eigenkapital:
    • Einlagen (Umwandlung von Privatvermögen in Betriebsvermögen)
    • Beteiligungen
  • Fremdkapital:
    • Kreditfinanzierung
    • Leasing / Factoring,...

1.3.3.1 Lieferantenkredit und KK-Kredit im Vergleich

Lieferantenkredit

KK-Kredit

  • Festschreibung in Zahlungsbedingungen für den Lieferanten
  • Formlose Festlegung / keine Kreditwürdigkeitsprüfung
  • Kreditwürdigkeitsprüfung durch die Bank
  • Einräumung einer Linie und Festlegung eines Zins, z.B. 17%

Beispiel

· Rechnung über 30000€

· Zahlbar innerhalb von 14 Tagen abzgl. 2% Skonto oder

· Zahlbar innerhalb von 30 Tagen netto Kasse (=zum Rechnungsbetrag)

  • Darstellung des Lieferantenkredites:

o Kreditbetrag=30000-2%=29400

o Laufzeit=14.-30.Tag=16 Tage

o Zins=Image
->Zinsen für 16 Tagen

o Zins p.a.=Image

o Zinsen=600,-
->Lieferantenkredit sehr teuer

  • Darstellung des KK-Kredites:

o Kreditbetrag=30000-2%=29400

o Laufzeit=14.-30.Tag=16 Tage

o Zins=17% p.a.

o Zinsen=222,13

  • Finanzierungsvorteil durch KK-Kredit =600-222,13= 377,87
    ->Finanzierungsgewinn = Kapital, dass für andere Investitionen zur Verfügung steht

1.3.3.2 Langfristige Darlehen / Effektivzinsberechnung nach Preisangabeverordnung

->Der anfängliche Effektivzins nach Preisangabeverordnung errechnet sich nach dem internen Zinsfuß

 

Beispiel:

Annuitäten-Darlehen: 100000

Nominaler Zins: 10% p.a.

Tilgung: 2% zzgl. ersparter Zinsen

Disagio: 5%

Zinsbindung: 3 Jahre

Jährlich nachschüssige Zahlweise.

Gesucht ist der Effektivzins!

 

1. Tilgungsplan der Bank

 

Restschuld

Zinsen

Tilgung

Kapitaldienst

Ende 1. Jahr

100000

10000

2000

12000

Ende 2. Jahr

98000

9800

2200

12000

Ende 3. Jahr

95800

9580

2420

12000

Restschuld am Ende des 3. Jahr

93380

 

 

2. Ermittlung des Effektivzinssatz

Auszahlungbetrag = Rückzahlungsbeträge

Image

Mit Hilfe von zwei Versuchszinssätzen für q (z.B. 12% und 13% bzw. 1,12 und 1,13) und der Formel für den Internen Zinsfuß kann die effektive Verzinsung berechnet werden.

->q=1,121268 ->Effektivzins = 12,1268%

 

3. Tilgungsplan nach Preisangabeverordnung (PAngV)

 

Kapitaldienst

Zinsen (12,1268%)

Tilgung

Restschuld

Auszahlung des Kredit

 

 

 

95000

1. Rate

12000

11520,46

479,54

94520,46

2. Rate

12000

11462,31

537,69

93982,77

3. Rate

12000

11397,10

602,90

93379,87

Image

->Die Restschuld nach der 3. Rate entspricht dem Banktilgungsplan, womit der berechnete Effektivzins richtig ist

 

->Ein berechneter anfänglicher Effektivzins gilt immer für die Dauer der Zinsbindung

->bei vorschüssiger Zinszahlung ändert sich der Banktilgungsplan nicht, jedoch die Effektivverzinsung, da die Zahlungsreihe sich verändert

 

Beispiel: Zahlungsreihe des obigen Beispiels bei vor- und nachschüssiger Zahlung:

Image

 


 
< zurück