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Das dt. Banksystem Drucken
Bankbetriebslehre - Grundlagen II

1   Das deutsche Bankensystem

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1.2Kreditbanken

1.2.1Großbanken

  • Veralteter Begriff
  • Traditionelle Großbanken: Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank
  • Heute noch weitere Banken, z.B. DG-Bank, WestLB
  • Bedienen alle Zielgruppen, Geschäfte und Regionen
  • Erste Gründungen um 1870 (ca. 120 Banken)
  • Krise um 1873 (Niedergang von ca. 75 Großbanken)
  • Weiter Krise in den 30er Jahren
  • Zunächst lediglich Firmenkundengeschäft
  • In den 50er-60er Jahren Spareinlagengeschäft; ab 60er kurzfristige Kleinkredite; ab 70er erste langfristige Kredite (Bausparen), Wertpapiere und Auslandsgeschäft; ab 80er Leasing; ab 90er E-Banking; heute Investmentbanking und Internet
  • Probleme: Vertriebskosten, Wettbewerb, Personal-/Filialkosten, Investitionskosten, Verbreiterung der Produktpalette und Geschäftstätigkeit
  • Viele Banken denken wieder über eine Spezialisierung nach

1.2.2Regionalbanken

  • Z.B. BfG oder Berliner Bank
  • diese Banken erstrecken sich heute nicht mehr nur auf einen regionalen Raum sondern agieren auch darüber hinaus

1.2.3Ausländische Banken

  • Begleiten ausländische Unternehmen bei Investitionen in Deutschland
  • Deutschland ist als Wachstumsmarkt für Finanzdienstleistungen interessant
  • Synergieeffekte entstehen, da die Banken voneinander lernen (USA sind z.B. Spitze im Investmentbanking)
  • Aktuell ist ein Rückgang von ausländischen Banken zu verzeichnen

1.2.4Privatbankiers

  • Existenz eines persönlich haftenden Gesellschafters (Bankier); oftmals Familienbesitz
  • Vorrangig im 18.-19. Jhd. zu finden
  • Heutige Häuser: Delbrück, Weberbank
  • In den 30er Jahren durch Emigrationen (Privatbankiers waren meist Juden) starker Rückgang der Privatbankiers in Deutschland
  • Starke Spezialisierung auf Geschäftsbereiche und Zielgruppen
  • Früher tätigten sie auch Handelsgeschäfte (Fugger), heute vor allem Wertpapiergeschäft

1.3Sparkassen und Girozentralen

  • Getragen von den Kommunen (Eigentümer sind Bund und Länder)
  • Ziel: Möglichkeiten schaffen, damit jeder Sparanlagen tätigen kann und Kreditversorgung des Mittelstandes bzw. der Bürger
  • Sparkassen sind Regionalbanken mit Gebietsschutz, d.h. das keine zweite Sparkasse in einer Stadt aufgebaut werden darf
  • Durch öffentlichen Auftrag steht die Gewinnerzielung nicht als oberstes Ziel
  • Erste Sparkasse 1778 in Hamburg (noch heute größte Sparkasse)
  • Freie Sparkasse haben zusätzlich Gesellschafter neben Bund und Ländern als Eigentümer
  • Gewinn geht z.T. an Kommunen und fließt in die Rücklagenbildung, da Sparkassen über kein Eigenkapital verfügen
  • Girozentralen (Landesbanken) existieren auf Landesebene und decken Geschäftsbereiche ab, die für einige Sparkasse aufgrund ihrer Größe nicht möglich sind
  • Sparkassen müssen in der Fläche präsent sein

1.4Volks- und Genossenschaftsbanken

  • Ursprünglich auf Grundlage eine Selbsthilfeorganisation (Reiche helfen Armen durch Einlagen bei der Bank, die als Kredit ausgegeben werden) gegründet
  • Damals verbreitet in Landwirtschaft und Handwerk
  • Regionalbanken
  • DG-Bank als Spitzeninstitut, 2 Regionale Zentralbanken und ca. 2000 Kreditgenossenschaften
  • Aus den Selbsthilfeorganisationen sind die Volks- und Raiffeisenbanken entstanden
  • Starker Druck von Großbanken und Sparkassen
  • Eigenkapital setzt sich aus dem Geschäftsguthaben (Anteilen) der Kunden und Rücklagen zusammen; eine zwangsweise Anteilserhöhung ist möglich
  • Genossen haften mit ihrem Geschäftsvermögen
  • Auch Beamtenbanken und Kirchenbanken sind genossenschaftlich

1.5Realkreditinstitute (Hypothekenbanken)

  • Kreditgeschäft gegen Verpfändung von Grund und Boden bzw. Immobilien
  • Verpfändungsgrund ist die Wertbeständigkeit dieser Güter
  • Neben dem KWG auch Hypothekenbankgesetz als Grundlage
  • Durch Kreditvergabe erhält die Bank einen Pfandbrief, der dann von Anlegern erworben werden kann => Finanzierung der Kredite
  • Auch Kommunaldarlehen werden ausgegeben und durch Kommunalobligationen finanziert

1.6Bausparkassen

  • Finanzierung von Bauinvestitionen
  • Produkte sind die Sparanlage und der Kredit, wobei ein niedriger Zins beim Sparen mit einem langfristigen Kredit zu niedrigen Zinsen belohnt wird
  • Bausparen besteht aus einer Sparphase, der Zuteilung und der Kreditphase

1.7Direktbanken

  • Vertrieb ohne Filialen
  • Keine bzw. wenig Beratung
  • Große Kostenersparnis und daher Vorteilweitergabe an den Kunden durch gute Konditionen

1.8Kapitalanlagegesellschaften / Investmentgesellschaften

  • Sammlung von Anlegerkapital und Veräußerung des Geldes in Wertpapiere, Unternehmensbeteiligungen und Immobilien im Namen der Gesellschaft
  • Ziel der Geldvermehrung
  • Anleger erhält ein Investmentzertifikat, das börsennotiert ist
  • Geschlossene Investmentgesellschaft= begrenzte Anzahl von Zertifikaten
  • Offene Investmentgesellschaft= unbegrenzte Anzahl von Zertifikaten
  • Publikumsfonds = jeder Betrag und für jeden zugänglich
  • Spezialfonds = Zielgruppenorientiert (meist ab 250 TEUR)
  • Spezialfonds überwiegen

1.9Wertpapiersammelbank(en)

  • Nur noch 1 Bank in Deutschland
  • Nimmt Verwaltungsaufgaben im Wertpapierbereich für die Geschäftsbanken wahr
  • Finanzierung durch Provisionen
  • Gesellschafter sind die Geschäftsbanken

1.10Kreditinstitute mit Sonderaufgaben

  • Förderung bei der Kreditvergabe, z.B. für den Mittelstand oder Exportfinanzierung
  • Z.B. Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Postbank, Bürgschaftsbanken

2   Entwicklungstendenzen

2.1Tendenzen der Bankenstruktur

2.1.1Ausgangssituation

  • 3000 Banken in Deutschland (1999); zum Vergleich 1985: 5000
  • Rückgang 1985-1999: 38% (Euro-Durchschnitt: 35,3%)
  • Anstieg der Banken lediglich in Luxemburg und Irland, wegen dortiger Steuervergünstigungen
  • Deutschland liegt über dem Durchschnitt, was die Bankenkonzentration angeht
  • Deutschland liegt bezogen auf das Personal im Euro-Durchschnitt
  • Es liegt demzufolge noch eine hohe Dichte von Filialen und Mitarbeitern vor
  • Marktanteile:
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    =>starke Dominanz der Sparkassen und Landesbanken
  • Gewinne in % der Bilanzsumme vor Steuern im Vergleich zu den USA:
    bis 1984 USA > Euroland
    ab 1984 Euroland > USA
    ab 1990 USA >> Euroland
    =>großer Ertragsdruck
  • Rückgang des Zinsüberschusses (Marge)

2.1.2Faktoren für Entwicklungstendenzen

  • Kostenreduzierung
  • Zeitreduzierung
  • Qualitätsmaximierung
  • Globalisierung
  • Deregulierung auf europäischer Ebene (Aufsichtsratsrecht)
  • Technischer Wandel (Internet)
  • Kundenansprüche steigen
  • Bankenbeurteilungssysteme (Risikobewertung, Außenbewertung)
  • Markt für Kreditderivate

2.1.3Strukturdiskussion

  • Universalbanksystem (D) <=> Trennbanksystem (USA)
  • Sind Universalbanken tot (nach Artikel BdB)?
    Aufbrechen der Wertschöpfungskette nötig (Entwickeln, Produzieren, Vertrieb nicht mehr in einer Hand)
    Spezialisierung der Universalbanken
    Online Banking wird Standard kann jedoch die Filiale und Beratung nicht ersetzen
    Weiter 3 Säulen: Privat-, Genossenschafts-, öffentl.-rechtl. Banken
    Aufteilung in Global Player => Europabanken => Regionalbanken
    Umstrukturierung des Sparkassensektors
  • Trennbankensystem
    • Pro
      • Risikotrennung = keine Übertragung des Risikos
      • Vermeidung von Interessenkonflikten (Bank und Gesellschafter)
      • Vermeidung von Insiderwissen
    • Kontra
      • Wettbewerbsnachteil, da nur Teilgeschäft möglich
      • Effizienz der Bankprodukte sinkt, da eine Gegenfinanzierung defizitärer Produkte nicht möglich ist. Zudem ist eine effiziente Verknüpfung von Produkten nicht immer möglich
      • Kein Auffangen von Risiken möglich
  • Sparkassen
    • Kritik
      • Unerlaubte Beihilfe (Subventionierung; Bildung von Sonderrücklagen)
      • Durch Regionalprinzip entstehen Gebietskartelle
      • Wettbewerbsvorteile (Anstaltslast/ Gewährtragerhaftung = Haftung von Kommunen bei Pleite)
      • Öffentlicher Auftrag ist überholt, da diese Dienstleistungen von fast allen Kreditinstituten erbracht werden
      • Bessere Refinanzierungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt =>billigere Geldbeschaffung
      • Bestandsgarantie durch Einstehungsgarantie der Kommunen
    • Gegenargumente
      • Refinanzierung am Kapitalmarkt nur für die Landesbanken möglich
      • Refinanzierung der Sparkassen erfolgt durch Rücklagenbildung
      • Bestandsgarantie ist als Vorteil zu sehen, da bisher noch keine Kommunen für Konkurse aufkommen mussten
      • Staat hat den öffentlichen Auftrag bestätigt
      • Gebietskartelle existieren nicht. Es stehe auch jeder anderen Bank frei sich auf eine Region zu beschränken. Dies sei lediglich die Strukturphilosophie der Sparkassen
    • Lösungsansatz: Einschränkung der Gewährträgerhaftung
    • Sparkassen haben 80% der Konten von Sozialhilfeempfängern, betreuen 75% des Mittelstandes; 37% der öffentlichen Fördermittel; >50% der Unternehmensgründungen =>Gewährträgerhaftung für diese Punkte gerechtfertigt
    • Im Einigungsverfahren mit der EU im Streit um Anstaltslast und Gewährträgerhaftung haben sich die EU und die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute darauf geeinigt, dass die Privilegien Mitte 2005 wegfallen. Sie bleiben jedoch für Schuldtitel mit einer Laufzeit < 2015 weiterhin bestehen

2.1.4Fusionen

  • Gründe
    • Synergieeffekte=>Kostenreduzierung
    • Marktanteile / Macht
    • Strategischer Hintergrund (Erweiterung der Produktpalette)
    • Größe => Rentabilität
    • Shareholder-Value (Gewinnerwartung der Teilhaber)
    • Aktienkurs und Marktwert (Steigerung)
  • Synergieeffekte entstehen nur bei Kreditinstituten mit einer Bilanzsumme bis 10Mrd.; sonst sind eher strategische Gründe ausschlaggebend oder regionale Aspekte
  • Probleme bei Fusionen
    • Zusammenlegung des Rechnungswesen (22,8%)
    • Vertrieb (19,8%)
    • Unternehmenskulturen (15,1%)
    • Infrastrukturen (12,9%)
    • Organisation (9,9%)
    • Strategische Planung (6,9%)
    • Kundenbetreuung (5,2%)*
    • Zusammenlegung der Führungsgremien (2,6%)
    • Sonstiges (2,5%)
    • Straffung der Personalstruktur (2,2%)
    • Mitgliederüberzeugung (1,3%)
    • EDV(0,4%)
    • * "Der Kunde steht im Mittelpunkt, also im Weg"
  • Die letzten Fusionen:
    • Köpenicker Bank + Grundkreditbank +Berliner Volksbank
    • Bayr. Hypothekenbank + Vereinsbank
    • Berliner Bank + Bankgesellschaft Berlin
    • Deutsche Bank + Bankers Trust
  • Bei Fusionen stehen neben finanziellen Aspekten immer mehr auch qualitative Aspekte zur Debatte (Qualität, Kundenzahl statt Einlagevolumen)

2.1.5Macht der Banken

  • kann bei der Kreditvergabe entstehen
  • ist durch die Beteiligungen der Banken gekennzeichnet (damit verbundene Aufsichtsratsitze)
  • Insiderwissen macht Missbrauch möglich

In der Praxis wird die Macht der Banken verantwortungsvoll genutzt und ist oftmals sogar von Unternehmen gewünscht. Zudem ist ein Gesetz geplant, was die Veräußerung von Beteiligungen steuerlich freistellt, was bisher die Banken zum Halten der Beteiligungen gezwungen hatte, so dass mit einem Abbau zu rechnen ist.

 
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