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Grundlagen der BWL 3 Drucken
Betriebswirtschaftslehre - Grundlagen der BWL

 

1 Betriebliche Ziele und Zielkonflikte

1.1 Was ist ein Betrieb?

  • Organisatorische Einheit (z.B. auch eine Filiale)
  • Systemneutraler Begriff, da sowohl in der Markt- als auch in der Planwirtschaft Betriebe existieren
  • Marktwirtschaftlicher Begriff für Betriebe: Unternehmen
    • Begriff setzt im Gegensatz zum Betrieb einen Unternehmer voraus
    • Ein Unternehmen kann aus mehreren Betrieben bestehen
  • Betriebsstätte: steuerrechtlicher Begriff, da Ansiedlung von Unternehmen durch Steuerbedingungen abhängig gemacht wird
  • Laut HGB ist eine Firma der Name, unter der ein Kaufmann seine Geschäfte tätigt

1.2 Unternehmensziele

  • Angestrebte Zustände in der Zukunft
  • Meist werden mehrere Ziele angegeben
  • Es wird zwischen folgenden Zielarten unterschieden:
    • Finanzielle und nichtfinanzielle Ziele
    • Kurzfristige und langfristige Ziele
  • Zielmaßstäbe:
    • Was soll wann, wie, wo erreicht werden
    • Angaben zum Ziel:
      • Zielobjekt
      • Zeitraum/ Zeitpunkt
      • Regionale Fixierung
      • Erlaubte und vorhandene Mittel
  • Statt mit einer Zielfixierung (genau ein Wert) werden Ziele oftmals anders angeben:
    • Vorgabe einer Satisfizierung (Mindestwert zur Zielerreichung)
    • Vorgabe einer Approximation (Bandbreite der Zielerreichung)
    • Extremierung (Maximierung oder Minimierung; jedoch nur für theoretische Betrachtungen, da in der Praxis nicht angewendet)

1.3 Möglichkeiten der Beeinflussung von Zielen untereinander

1.3.1 Zielharmonie

  • Erreichung eines Zieles unterstützt die Unterstützung eines anderen Zieles
  • Z.B. Innovationen und e-Business als Ziel

1.3.2 Zielkonflikt

  • Unter Umständen bildet sich zwischen zwei Zielen ein Konflikt, d.h. sie wirken gegeneinander
  • Z.B. Neukundengewinnung in der Bank und Gewinnmaximierung, da Neukunden, wenn sie Studenten sind, oftmals ein defizitäres Geschäft sind

1.3.3 Zielantimonie

  • Erreichung eines Zieles schließt das andere Ziel aus

1.3.4 Zielindifferenz

  • Ziele beeinflussen sich nicht

1.4 Bewertungen bei Mehrfachzielen

  1. Prioritäten setzen
  2. Kombination aller Ziele mit einer bestimmten Gewichtung pro Ziel (g)
    z1*g1+z2*g2+z3*g3=ZF (ZF=Zielfunktion, z*=Ziel, g*=Gewichtung)
  3. Hierarchie der Ziele (Ober- / Mittel- / Unterziel)
  4. Zielfunktion (ZF) unter Nebenbedingungen (NB)

1.5 Zielabweichungen

  • Soll>ist
  • Soll<ist
  • Bei Abweichungen, auch bei positiven, sollte grundsätzliche eine Hinterfragung der Ziele erfolgen

1.5.1 Abweichungsanalyse bei Zielnichterreichung

  1. Lokalisierung des Problems
  2. Feststellung der Verantwortlichkeit mono-/multikausaler Ursachen
  3. Gefahr der Nichtanalyse bei Zielerreichung sollte vermieden werden, da sonst Schwächen, die im Moment unbedeutend sind irgendwann zu Defiziten führen können
  4. Blick in die Tiefe des Problems
  5. Analyse der internen und externen Faktoren für das Problem
    èhier sollte vor allem auf den internen Faktoren der Schwerpunkt liegen

1.6 Typische Unternehmensziele

1. Rentabilität
  • Image
  • In der Regel zwischen 3 und 5% (bei Banken 6-10%)
  • Entsteht aus dem Ziel der Gewinnmaximierung
2. Liquidität
  • Situative Liquidität= streben nach dem finanziellen Gleichgewicht
  • Fähigkeit zur Begleichung aller zwingenden Verbindlichkeiten
  • Et>At (Et = Einnahmen zum Zeitpunkt t; At = Ausgaben z. Zeitpunkt t)
    => Et-At>=0
    =>ABLQM+Et-At>=0 (ABLQM=Anfangsbestand liquider Mittel)
  • Steigerung von Et durch Preiserhöhung, Werbung, Kredite, Zahlungsanreize zur Sofortzahlung bei Kunden
  • Senkung von At durch Personalabbau, weniger Produktion, Outsourcing, Zahlungsaufschub
  • Strukturelle Liquidität= langfristiges Vermögen sollte auch langfristig finanziert sein
  • =>(Eigenkapitel (EK) + Langfristiges Fremdkapital (FKL))/ Anlagevermögen (AV) muss größer als 1 sein, d.h. das Umlaufvermögen sollte möglichst groß sein. èAnlagendeckungsgrad 1
3. Wachstumsziel
  • Problem: Größe bringt auch Belastungen mit sich èumstrittenes Ziel

1.7 Principal-agency-theory

  • Principal = Eigenkapital der Aktionäre
  • Agency = Angestelltes Management

1.7.1 Ziele des Aktionärs

  • Dividende (Gewinnausschüttung)
  • Gewinne / Gewinnerwartung
  • Zielkonflikt zwischen Gewinnausschüttung und Thesaurierung der Gewinne
  • Realisierung privater Ziele

1.7.2 Ziele des Vorstandes

  • Gewinne
  • Langfristige Sicherung des Unternehmens
  • Vergrößerung des Unternehmens
  • Höheres Gehalt (Unternehmensbeteiligung)
  • Wiederwahl nach Ablauf der Wahlperiode
  • Realisierung individueller Ziele mit Hilfe des Unternehmens

1.7.3 Konflikte

  • Risikobereiter Aktionär <=> begrenzt risikobereiter Vorstand
  • Ziele des Aktionärs (Gewinn) <=> Ziele des Vorstand (Gehalt, Wiederwahl)
  • Vorstand hat die Möglichkeit Gewinne zu Kosten zu machen, z.B. durch teure Dienstwagen, Flüge 1. Klasse usw.
  • Aktionär delegiert seine Entscheidungsmacht (durch Aktien erworben) mangels Sachverstand an den Vorstand
  • Gefahr der Delegation: Vorstand verfolgt nicht zwingend die Ziele des Aktionärs
  • Problem der asymmetrischen Information: Vorstand verfügt über Informationsvorsprung, der von ihm ausgenutzt wird

1.7.4 Möglichkeiten der Konfliktlösung

  • Vorstand wird selbst zum Aktionär durch Teilauszahlung seines Gehaltes in Aktien
  • Kontrollorgane
    • Aufsichtrat
    • Aufsichtsämter
  • Rechts- / Buchführungsvorschriften / Geschäftsberichte mehrfach pro Jahr
  • Medien als Informationsquelle und Kontrollorgan
  • Gewerkschaften
  • Aktionäre in der Hauptversammlung
 
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