1 Verteilungsparameter und Grenzwertsätze
1.1 Erwartungswert
1.1.1 Diskrete Zufallsvariable
Beispiel: Gewinn bzw Verlust einer Risikolebensversicherung mit Todesfallsumme 100000€ und Jahresbeitrag 500€
Sterbewahrscheinlichkeit = 0,2%
Ereignisse:
k1=500€ pk1=P(X=k1)=0,998
k2=-99500€ pk2=P(X=k2)=0,002
EX=500*0,998+(-99500)*0,002=300
->Der erwartete Ertrag liegt bei 300€
1.1.2 Stetige Zufallsvariable
Beispiel: Erwartungswert bei der Gleichverteilung
1.1.3 Eigenschaften des Erwartungswertes
- Y=X+a ->EY=EX+a
- Y=b*X ->EY=b*EX
- Z=X+Y ->EZ=EX+EY
1.2 Varianz und Standardabweichung
Varianz: VAR(X)=E(X-EX)2, mit EX=konst.
Standardabweichung:
1.2.1 Diskrete Zufallsvariablen
Beispiel: Risikolebensversicherung (Daten siehe oben)
VAR(X)=(500-300)2*0,998+(-99500-300)2*0,002=19960000€2
->die tatsächlichen Erträge schwanken im Mittel um 4467,66€ um den Erwartungswert ->Standardabweichung ist somit ein Risikomaß (Volatilität)
1.2.2 Stetige Zufallsvariable
Beispiel: Gleichverteilung (EX=(a+b)/2)
1.2.3 Eigenschaften der Varianz
- VAR(X) = EX2 – (EX)2
- Y=a+X ->VAR(Y)=VAR(X)
- Y=b*X ->VAR(Y)=b2*VAR(X)
- Z=X+Y ->wenn X und Y stochastisch unabhängig, dann gilt: VAR(Z)=VAR(X)+VAR(Y)
1.3 Grenzwertsätze
1.3.1 Gesetz der großen Zahlen
Eine Folge von Zufallsvariablen X1..Xn, die stochastisch unabhängig und identisch verteilt sind und einen Erwartungswert EXi= hat, strebt im arithmetischen Mittel bei hinreichend großem n gegen .
->
Beispiele:
Zahl der Unfälle pro Tag. Wenn im Mittel Unfälle pro Tag passieren, so wird bei einer hinreichend großen Anzahl von Tagen das arithmetische Mittel der Unfälle sich nähern.
Gleiches gilt für die Wahrscheinlichkeit eines ungedeckten Schecks. Ist die Wahrscheinlichkeit im Mittel p dann wird sich das Mittel der geplatzten Schecks bei einer hinreichend großen Zahl diesem Wert p nähern.
1.3.2 Zentraler Grenzwertsatz
X1..Xn sind stochastisch unabhängig und identisch verteilt mit Xi=
Es gilt für ein hinreichend großes n:
- Die Summe der Xi ist näherungsweise normalverteilt mit Yn=X1+..+Xn und EYn=n*
.
Es gilt weiterhin:
Beispiel: Schecks:
- Ein Kaufhaus erhält am Tag 900 Schecks
- Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Scheck ungedeckt ist: p=P(ungedeckt)=0,02
- Gesucht: P(X<10) ->Wahrscheinlichkeit, dass unter den 900 Schecks max. 10 ungedeckt sind
- X entspricht einer Binomialverteilung mit n=900 und p=0,02
- Einsetzen in die Formel der Normalverteilung nicht sinnvoll
- Daher X=X1+...+Xn mit Xi={0, wenn gedeckt und 1, wenn ungedeckt}
- X ist näherungsweise normalverteilt, da stochastisch unabhängig
-> , d.h. erwartet werden 18 ungedeckte Schecks
- Varianz:
(Formel lt. Tafelwerk, für Binomialverteilung)
- Nach dem zentralen Grenzwertsatz genügt X einer Normalverteilung, d.h. P(X<10) wird über die Normalverteilung ermittelt
->Normierung von X:
-> , d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass weniger als 10 Schecks ungedeckt sind, liegt bei 2,9%.
|