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Kostenrechnung in Banken 6 Drucken
Kosten und Leistungsrechnung - Kostenrechnung in Banken

1 Marktzinsmethode

  • Einbeziehung von Alternativen
  • Der Beitrag eines Kundengeschäftes wird an der Alternative gemessen ->Wieviel hätte man im Interbankengeschäft verdient?
  • Es wird nur der Mehrertrag bzw. der Minderaufwand zur Alternative betrachtet
  • Margeaktiva=Kundenzinseff.-Marktzins
    Margepassiva=Marktzins-Kundenzinseff
  • Marktzins:
    • Kundengeschäfte <1 Jahr ->Geldmarktzins
    • Geschäfte >1 Jahr ->Kapitalmarktzins
    • Z.T. werden auch Pfandbriefsätze genommen
    • Wichtig: Renditen repräsentieren endfällige Papiere
    • Briefsatz = Refinanzierungssatz für Banken
    • Geldsatz = Anlagesatz für Banken

Beispiel:


Aktivgeschäft

Passivgeschäft

Volumen

10000

10000

Kondition

7,0%

3,5%

Laufzeit

1 Jahr

1 Jahr

Geldsatz f. 1 Jahr
->ACHTUNG: es wird für beide Geschäfte entweder der Geldkurs, der Briefkurs oder der Mittelkurs genommen!!!

4,05 %

4,05 %

Marge

7%-4,05% =2,95%

entspricht 295,-

4,05%-3,5%=0,55%
entspricht 55,-

Zinsüberschuß

295+55=350 bzw. (7%-3,5%)*10000=350

->nimmt man als Geldsatz Geld- und Briefkurs rechnet man fälschlich die Geld-Brief-Spanne mit in den Zinsüberschuß ein!

  • Die Marktzinsmethode lebt mit der Abstraktion eines vollständigen Kapitalmarktes (Sollzins=Habenzins) ->deshalb wird beim Geldsatz nur 1 Kurs verwandt
    ->es gilt unabhängig von der Bilanzseite nur ein Kurs für eine Laufzeit

1.1 Zinskonditionenbeitrag

  • Bestimmt den Mehrerlös (Aktiva) oder die Minderkosten (Passiva) des Kundengeschäfts ggü. der Alternative am Markt
  • Zinskonditionenbeitrag = Marge * Volumen des Finanzgeschäfts

1.2 Strukturbeitrag

  • Beitrag des einzelnen Geschäfts zur Fristentransformation

Beispiel:


Aktiva

Passiva

Volumen

10000

10000

Kondition

7,5%

3,5%

Laufzeit

3 Jahre

1 Jahr

Marktzins

3 Jahre: 6%

1 Jahr: 4,1%

Marge

1,5%

0,6%

Zinskonditionenbeitrag

150,-

60,-

Zinsüberschuß

(7,5%-3,5%)*10000=400

  • Summe der Zinskonditionenbeiträge (kalkulatorisches Wertergebnis) ist 210,- und der Zinsüberschuß (buchhalterisches Wertergebnis) ist 400 ->Strukturbeitrag = 400-210=190
  • Strukturbeitrag = buchhalterisches Wertergebnis (Zinsüberschuß) – kalkulatorisches Wertergebnis (Summe der Zinskonditionenbeiträge
  • Problem: es muß immer das Gegengeschäft bekannt sein
  • Daher wird bei jeder Kalkulation der Kapitalmarktzins mit dem Tagesgeldsatz verglichen

Fortführung des obigen Beispiels:


Aktiva

Passiva

Kapitalmarktsatz

6%

4,1%

Tagessatz

4%

4%

Strukturbeitrag bei 10000

(6%-4%)*10000=200

0,1%*10000=10

Interpretation:

200 € zahlt uns der Kunde als Prämie, dass die Bank auf die tägliche Verfügbarkeit verzichtet

10 € zahlt die Bank dem Kunden, dafür, dass er bei Einlagen auf tägliche Verfügbarkeit verzichtet

->ergibt saldiert 190,-

  • Interpretation gilt für eine normale Zinsstrukturkurve
  • Bei einer inversen Zinsstrukturkurve ist es umgekehrt
  • Bei der Kalkulation werden wieder die Mittelkurse zw. Geld- und Brief genommen
  • Problem: Geschäfte mit einer Kündigungsfrist (z.B. Sparbuch mit 10T€)
    • Refinanzierungsbeispiel:
      • Tagesgeldsatzrefi für 3000, da diese im lfd. Monat vfgbar
      • 1 Monatssatz für 3000
      • Rest als Bodensatz langfristig
    • Bei diesen Produkten muß mit Annahmen berechnet werden, da am Markt kein Opportunitätszins existiert
    • Theoretisch sind diese Produkte exotische Optionen, die sehr schwer zu berechnen sind
    • Bei der Berechnung arbeitet man mit Abschlussfiktionen, die für jede Bank extra sind

1.3 Marktzinsmethode für variabel verzinsliche Geschäfte

  • Diese Geschäfte zeichnen sich durch Kündigungsrechte aus

Bekannte Kapitalbindung

Unbekannte Kapitalbindung

Fester Zins

Termingeld

Festsatzdarlehen bis 10 Jahre

Bundesschatzbriefe

Variabler Zins

Floater (short und long)

Sparbuch

KK-Kredit

->Problematisch ist die Spalte unbekannte Kapitalbindung

->für diese Geschäfte existiert kein adäquater Marktzins, weswegen man einen herleiten muß

Umfasst folgende Verfahren:

  • Kapitalbindungsmethode
  • Methode der juristischen Verfügbarkeit
  • Zinsbindungsmethode
  • Methode der Zinsreagibilität
  • Barwertmethode

1.3.1 Kapitalbindungsmethode

  • Grundlage sind Bodensätze
  • Ein Bodensatz spiegelt das typische Kundenverhalten wider, d.h. wie viel Kapital nimmt der Kunde aus seiner Anlage in einem bestimmten Zeitraum raus
  • Beispiel: Bodensätze für eine Spareinlage
    • 20% sind nach 3 Monaten abgehoben
    • 20% sind nach 5 Jahren abgehoben
    • 60% sind nach 10 Jahren abgehoben
    • ->Somit kann ich 20% mit dem 3-Monats-Satz refinanzieren, 20% mit dem 5-Jahres-Satz und 60% mit dem 10 Jahres-Satz
    • 3-Monats-Zins = 4,45%; 5-Jahres-Zins= 6,1%; 10-Jahres-Zins=6,895%
    • ->Marktzins für diese Anlage = 4,45%*0,2+6,1%*0,2+6,895%*0,6=6,247%
    • Bei einem Zins von 4% auf die Einlage ergibt sich eine Marge von 2,247%
  • Marktzins =
    Image

1.3.2 Juristische Verfügbarkeit

  • Man geht von der nächstmöglichen Kündigungsfrist aus und sieht dies als Laufzeit an
  • Vorsichtsprinzip
  • Demzufolge ist der Marktzins für eine Spareinlage mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten der 3-Monats-Zins
  • Marktzins =Zinssatz für Zeitraum der Kündigungsfrist

1.3.3 Methode der Zinsbindung

  • Grundlage ist die durchschnittliche Anpassungshäufigkeit der Kundenkonditionen an veränderte Marktbedingungen in der Vergangenheit
  • In der Zeit zwischen den Anpassungsmöglichkeiten werden die Einlagen als Festzinsgeschäft betrachtet
  • Marktzins =Zinssatz für Image-Jahre
  • Beispiel: Im Schnitt werden die Zinsen 2* pro Jahr angepasst
    • Zinssatz = Zinssatz für ½-Jahre = 6-Monatssatz

1.3.4 Zinsreagibilität

  • Banken passen die Kundenzinsen nicht immer zeitgleich mit einer Marktzinsänderung an
  • Anpassungsbereitschaft der Banken ist gering, d.h. Zinsänderungen werden nicht im vollen Umfang an den Kunden weitergegeben
  • Darstellung dieses Phänomens über die Elastizität
    • Gibt an, wie sich der Kundenzins bei einer Marktzinsänderung verhält
    • Wird für jede Geschäftsart in der Bank ermittelt
    • Basis ist die lineare Regression ->y=mx +n mit n=alte Kundenkondition, m= Elastizität, x=Marktzinsänderung und y= neue Kundenkondition
    • Beispiel:
      Image
      ->Der Spareinlagenzins ist am engsten mit dem 10-Jahressatz verbunden
    • Zwischen dem ähnlichsten Zins am Geld- / Kapitalmarkt und dem Sparzins wird das Bestimmtheitsmaß ausgerechnet
    • Das Bestimmtheitsmaß gibt den Zusammenhang / die Korrelation zwischen Kundenzins und Marktzins an bzw. die Wahrscheinlichkeit, mit der Marktzinsänderungen 1:1 weitergegeben werden
  • Beispiel:
    • Spareinlage ist am höchsten mit dem 10-Jahreszins korreliert
    • Elastizität = 0,2
    • D.h. wenn der 10-Jahreszins um 1% steigt (fällt), steigt (fällt) der Kundenzins um 0,2%
    • Somit sind 80% der Einlage mit einer Elastizität mit 0 versehen (fixer Zins) und 20% mit einer Elastizität von 1 (Tagesgeldsatz)
    • Marktzins = 20% * Tagesgeldsatz + 80% * 10-Jahressatz
  • Marktzins = Elastizität * Tagesgeldsatz + (1-Elastizität)* ermittelter Korrelationszins
 
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