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Kostenrechnung in Banken 2 Drucken
Kosten und Leistungsrechnung - Kostenrechnung in Banken

Kosten- und Erlösrechnung (KER) in Kreditinstituten

1 Grundbegriffe und Aufgaben der KER

  • KER = Aufbereitung und In-Beziehung-Setzen von Kosten, Erlösen, Leistungsmengen und Leistungsbereichen mit dem Zweck der Wirtschaftlichkeitskontrolle und Erfolgssteuerung
  • Wert- und Betriebsbereich werden dabei unterschieden
  • Kosten und Erlöse sind immer an Leistungen geknüpft
    • Wertleistungen ->Wertkosten und Werterlöse
    • Betriebsleistungen ->Betriebskosten und Betriebserlöse
  • Aufbau der KER:

Werterlöse

- Wertkosten

= Wertergebnis

+ Betriebserlöse

- Betriebskosten

= Betriebsergebnis

  • Ziel ist die Kalkulation von Wert- und Betriebskosten sowie –erlösen
  • Problem der KER in Banken:
    • Nur wenig direkt zuordenbare Kosten (Primärkosten), wie Material und Lohn
    • Ca. 98% der Kosten können nicht direkt mit dem Produkt in Verbindung gebracht werden

1.1 Aufgaben der KER: Wirtschaftlichkeitsanalyse

Image
  • in der Bank liegt der Kostensatz bei ca. 1,5€ pro Minute, während Direktbanken mit weniger als 0,5€ auskommen ->Rationalisierungsdruck der Filialbanken
  • Ziel ist die Ermittlung unwirtschaftlicher Bereiche / Sparten
  • Es kann ein zeitlicher oder zwischenbetrieblicher Wirtschaftlichkeitsvergleich angestellt werden

1.2 Aufgaben der KER: Stückkostenermittlung

  • Ermittlung der Kosten je Leistungseinheit
  • Dient als Grundlage für:
    • Break-even-Point-Ermittlung (BEP-Ermittlung)
      • Beispiel: Ein Sparkonto verursacht Kosten i.H.v. 200€ im Jahr. Die aktuelle Einlage beträgt 2000€. Am Markt ist eine Marge von 1% durchsetzbar. Wo liegt der Break-even?
      • Marge: Guthaben wird am Interbankenmarkt verliehen zu 5% und der Kunde bekommt für seine Spareinlage 4% ->1% Spanne = Marge
      • Da Kosten und Marge nicht veränderlich sind, muß der Break-even über das Volumen erreicht werden, d.h. 1% Marge müssen 200€ ergeben
      • D.h. die Spareinlage, die zum BEP führt liegt bei 20000€ (1% von 20000= 200)
      • ->durch höhere Einlagen können auch geringere Margen akzeptiert werden (z.B. bei 200000€ Einlage kann die Marge bis auf 0,1% runtergeschraubt werden)
    • Rentabilitätsermittlung ->in manchen Sparten sind die Margen nicht kostendeckend
    • Kundenkonditionen, da die Stückkosten das Anlagevolumen vorgeben (siehe BEP)

1.3 Aufgaben der KER: Erfolgssteuerung

  • Kosten, Leistungen und Erlöse werden zur Gesamterfolgsermittlung zusammengezogen
  • Kann für das Gesamtunternehmen, einzelne Bereiche oder einzelne Filialen durchgeführt werden

1.4 Grundbegriffe

  • Werterlöse = Zinserträge -> Wertkosten = Zinsaufwendungen
  • Betriebserlöse = Provisionen, Gebühren und alle sonstigen Einnahmen aus der Betriebstätigkeit, die keinen zinsähnlichen Charakter haben
  • Betriebskosten = Personal- und Sachaufwendungen und alle sonstigen Aufwendungen, die keinen zinsähnlichen Charakter haben
  • Avalprovisionen und Bearbeitungsgebühren sind damit Betriebserlöse, da sie nicht in den Effektivzins einfließen
  • Bereitstellungszinsen stellen jedoch Werterlöse dar
  • Keine Bedeutung in der KER haben:
    • Außerordentliche Aufwendungen (EWB und Kassenfehlbeträge)
    • Periodenfremde Aufwendungen (Steuernachzahlung)
    • Betriebsfremde Aufwendungen (Spenden, Stiftungen)
  • Kalkulatorische Kosten in Banken:
    • Anderskosten (andere Höhe als der verbuchte Aufwand)
      • Kalkulatorische AfA (wenig Bedeutung)
      • Kalkulatorische Wagnisse ->Adressenrisiko (Ausfall oder Bonitätsverschlechterung); Fremdwährungsrisiko; Kursrisiko (Optionsprämie) ->Risikokosten
    • Zusatzkosten (ihnen steht kein Aufwand gegenüber)
      • Unternehmerlohn (für Bank nicht relevant)
      • Kalkulatorische Miete (spielt kaum eine Rolle)
      • Kalkulatorische EK-Kosten ->nachträglich entstandene EK-Verzinsung (EK-Zinsen = Verzinsungsanspruch der EK-Geber vorab)
        • EK-Kosten sind eine lineare Funktion zum Risiko
        • Steigung der Funktion= beta-Faktor (Aktienbeta; für Banken ca. 0,8)
        • Image
        • EK-Quote der Banken liegt bei 2,5-3 %

2 Aufbau der KER

Aufbau der KER

image005.gif

->Eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung findet nicht immer in Kreditinstituten statt

3 Kapitalkosten

3.1 Business risk

->ist die Schwankungsbreite der Gesamtkapitalrenditen

->Image

3.2 Financial risk

  • Überbegriff für schwankende EK-Renditen
  • Leitet sich aus dem Leverage-Effekt ab
  • Eigenkapitalrendite:
    Image
  • Gesamtkapitalrendite:
    Image
  • FKZinsen = i * FK
  • Daher gilt:
    Image
  • Der Quotient FK/EK wird durch den Verschuldungsgrad l ersetzt:
    Image
  • Die Eigenkapitalrendite nimmt somit mit der Verschuldung zu, solange GKR>i ist
  • Das Financial-Risk steigt ebenfalls mit zunehmender Verschuldung

 

Beispiel:

Erwartete Gesamtkapitalrendite: 8%

Business-Risk (Schwankung der GKR): 6%

->best case: GKR=14%

->worst case: GKR=2%

->normal case: GKR=8%

Aktuelle Verschuldung l=0 ->soll auf a) l=1; b) l=2 oder c) l=4 herausgesetzt werden

 

EKR bei l=0

EKR bei l=1

EKR bei l=2

EKR bei l=4

GKR=2%

2%

-3%

-8%

-18%

GKR=8%

8%

9%

10%

12%

GKR=14%

14%

21%

28%

42%

Financial risk:

+/- 6%

+/- 12%

+/- 18%

+/- 30%

 

 

  • Image
  • die Gesamtkapitalrendite unterliegt somit dem volkswirtschaftlich geprägten Geschäftsrisiko
  • Das Financial Risk ist das konkrete Risiko des EK-Gebers. Es umfasst die Schwankungsbreite der EK-Rendite und wird durch den konkreten Verschuldungsgrad beeinflusst.

3.3 Irrelevanz der Kapitalstruktur nach Modigliani / Miller (MM)

  • Unternehmen einer Risikoklasse = gleiches Business-Risk, z.B. gleiche Branche
  • Nach MM müssen zwei Unternehmen bei gleichem Bruttogewinn unabhängig von ihrer Finanzierungsstruktur den gleichen Unternehmenswert haben, da sonst Arbitrage möglich ist
  • Die Beweisführung erfolgt über den Arbitragebeweis (->siehe Skript „Kapitalmarkttheorie“ auf http://www.bankstudent.de )
  • Im Falle der Arbitragemöglichkeit wird der Markt durch Käufe des besseren und Verkäufe des schlechteren Unternehmens sich wieder in ein Gleichgewicht begeben

 

Grunddefinitionen

Unternehmenswert: V=EK+FK

V eines unverschuldeten Unternehmens: VU=EKU

V eines verschuldeten Unternehmens: VV=EKV+FK

Im Gleichgewicht gilt: VV=VU und damit EKV=VU-FK
Eigenkapitalwert: EK= Marktwert - FK

 

Die 3 Theoreme von MM:

  1. Unternehmen gleicher Risikoklasse haben bei gleichem Bruttogewinn die gleichen Unternehmenswerte (VU=VV)
  2. EK-Kosten e sind eine lineare Funktion der Verschuldung l ->e(l)=eo+(eo-i)*l
    (eo = EK-Kosten der unverschuldeten Unternehmung)
  3. Die Gesamtkapitalkosten k sind unabhängig von der Finanzierungsstruktur und dem Verschuldungsgrad gleich den EK-Kosten der unverschuldeten Unternehmung ->k=eo

 

Auswirkungen von MM im Bankgeschäft:

  • Auf Basis des 1. Theorems werden in der Aktienanalyse unter- bzw. überbewertete Unternehmen ermittelt
  • Die EK-Kosten stellen zugleich den Verzinsungsanspruch des Aktionärs dar
  • Die EK-Kosten können in einem Koordinatensystem dargestellt werden, wobei in der Bank der Anstieg (eo-i) als Finanzrisiko durch alle Bankrisiken ersetzt wird

Das CAPM der Banken

Image

Der Anstieg der EK-Kosten wird als Imagebezeichnet (Aktien-Beta). Ist nun das Risiko der Bank bekannt, kann man die erforderliche EK-Rendite ablesen. ->Unterschiedliche Risiken haben somit unterschiedliche EK-Kosten, was auch zu Unterschieden in der Produktbepreisung kommt, da diese die EK-Kosten abdecken müssen.

  • EVA = Economic Value Added
    ->Betrachtet die Wertschöpfung / Wertvernichtung durch das Unternehmen
  • Das Unternehmen betreibt bei einer Rendite oberhalb der e(l)-Kurve Wertschöpfung und unterhalb der Kurve Wertvernichtung
  • EVA = Bruttogewinn – k*(FK+EK) ->größer 0 = Wertschöpfung; kleiner 0 = Wertvernichtung

 

Empirische Evidenz von MM:

  • In den USA konnten die Theoreme von MM nachgewiesen werden, da es dort kaum langfristigen Kredite gibt und somit auch der Zins als konstant genommen werden kann für alle Unternehmen einer Risikoklasse
  • In Deutschland konnte keine empirische Bestätigung von MM gefunden werden, da:
    • Unterschiedliche Besteuerung der unterschiedlichen Rechtsformen
    • Finanzierung meist über langfristige Kredite ->hier wird jedoch mit steigender Verschuldung auch das Adressenausfallrisiko größer und somit der Zins höher ->es gilt somit nicht mehr die Prämisse des konstanten Zinses und somit fällt das gesamte Modell zusammen
 
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